SpVgg. Unterhaching – Eintracht Braunschweig 0:1 (0:1) 10.04.2011 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 10/11
Geschrieben von: Sascha   

3. Liga
Stadion: Generali-Sportpark
Zuschauer: 3.100

Im Nachhinein konnten wir glücklich über die Niederlage unsrer Eintracht am Mittwoch gegen die Zweitvertretung vom SV Werder sein, denn durch die Ergebnisse der Konkurrenz am darauffolgenden Samstag wären wir ohne eigenes Zutun vorab aufgestiegen. Unvorstellbar so etwas vor dem Radio oder Videotext mitzuerleben. Da müssen Emotionen mitspielen, da wird mir jeder sicher recht geben. Natürlich, viele von uns wären an diesem Samstag in die Stadt gezogen und hätten bis in die Puppen gefeiert. Ich garantiert auch. Es ist aber einfach nicht das Selbe und hätte sich unecht angefühlt.

Und da ich auch noch um 16 Uhr den 9er-Bus abholen musste, war es mir nur recht erst am Sonntag den möglichen Aufstieg perfekt zu machen. Mit Blubberblasen in der Birne ’nen Mietwagen zu steuern ist zudem sehr fatal. Außerdem wollte ich endlich mal einen Auswärtsaufstieg erleben, wo ich 1988 schon nicht dabei war.

 

In aller herrgottsfrühe starte der Elche&Society-Express in Rüningen mit mir und Muttern Richtung Gliesmarode um Heinzi einzusammeln. Danach zum ersten Sammelpunkt Shelltankstelle Hamburger Straße. Carsten, Udo und Micha waren bereits da, Herr Hagedorn war aber weit und breit nicht auszumachen. Nach kurzer telefonischer Anfrage, teilte er mit verschlafen zu haben. Also legten wir kurzerhand einen ungeplanten Ausflug nach Lamme ein um die Schlafmütze einzuladen. Mittlerweile hatte Heinz das Lenkrad des FIAT Ducatos übernommen und steuerte Wolfenbüttel an um die Familie Hoppmann als letzte Gäste dieser illusteren Runde aufzunehmen. André löste für das erste Teilstück Heinz ab und über die B6N fuhren wir schließlich auf die A14, im Gepäck drei WoPi-Kisten und ein halbe Kühlschrankfüllung Fressalien made by Muttern.

Bei einer ereignislosen Fahrt dann der erste Schock kurz hinter der bayrischen Grenze. Beim Tanken verschlang der Ducato doch tatsächlich Sprit in Höhe von 111 €. Es war für alle unvorstellbar, aber die Karre schluckte wirklich noch mehr als ich. Ein berauschendes Geschenk war dieses Gefährt bei Leibe nicht. Als großes Plus ist hier noch die Beinfreiheit hervorzuheben. Aber als Spritfresser bereits verpönt, vermissten wir des Weiteren ein empfangsfähiges Radio. Und als Nußknacker wird dieses Vehikel auf jeden Fall – zumindest bei den männlichen Insassen – in die Analen eingehen, denn Federung und Stoßdämpfer haben die Italiener hier mal komplett vergessen einzubauen. Ich kann nur jedem abraten jemals einen Ducato zu mieten.

Durch die sehr frühe Abfahrzeit erreichten wir Haching dementsprechend zeitig sodaß wir uns gleich in den Stadion-Biergarten gesellten. Um Eintrittskarten brauchten wir uns nicht bemühen, da Effi diese im Vorfeld erwarb. Diese Info ging allerdings komplett an Udo vorbei, der sich trotz vorheriger Ankündigung eine Eigene beschaffte. Effi konnte die Übrige aber noch verticken.

Die Zahl Blau-Gelber war im Biergarten noch recht überschaubar, aber je näher der Anpfiff rückte desto mehr Löwen trafen hier ein. So konnten wir sogar eine Freibierrunde unser Eigen nennen, denn der Kellner bat uns unsere Getränke fortan am Bierausschank zu holen und vergaß dabei die erste Runde abzukassieren. Sehr großzügig diese Bayern, sollten sie uns vielleicht heute sogar den Aufstieg schenken? Schau ’mer mal!

Zwischenzeitlich hat es auch die restliche Society samt den Sechzigern zu uns geschafft. Geschafft ist hier auch das richtige Wort um die Verfassung bei einigen von ihnen zu beschreiben. Der verlängerte Vorabend in München schien eine verkürzte Ruhepause als Konsequenz nach sich gezogen zu haben. Aber bei herrlichstem Wetter sammelten alle ihre Kräfte um den Aufstiegs-Countdown zu starten. Mittlerweile war der Biergarten fest in Braunschweiger Hand. Von Clemens wurde des Öfteren „Heut’ steigen wir auf!“ angestimmt worauf der ganze Löwenchor freudig mit einstimmte. Die Partystimmung stieg von Minute zu Minute und es waren noch andere Eintracht-Evergreens aus allen vier Windrichtungen zu vernehmen. Allmählich zog es die Löwenmeute in den Sportpark. Ich machte allerdings den Fehler meinen Becher nicht nachzufüllen, denn richtiges Bier blieb uns heute abermals verwährt.

Eintracht zeigte sich erholt von der Niederlage gegen Werder II. Der BTSV ließ die Gastgeber heute spüren, wer hier gewinnen wollte. In den ersten vier Minuten boten die Löwen frischen Offensivfußball und holten drei Eckbälle heraus. Die Hachinger wurden regelrecht an die Wand gespielt. Bereits in der 6. Minute das 1:0 für die Eintracht. Brysch verlor in der eigenen Hälfte den Ball an den nach seiner Suspendierung zurückgekehrten Bellarabi, der mit einem wunderschönen Schuß von der Strafraumgrenze das Leder in den Winkel von Kampas Gehäuse hämmerte. Der Grundstein zum Aufstieg war somit recht frühzeitig gelegt und die rund 1.000 mitgereisten Braunschweiger Fans waren komplett aus dem Häuschen. Die Hachinger fanden erst nach einer halben Stunde ins Spiel zurück und wurden allmählich stärker. Aber sowohl Amachaibou, der über das Gehäuse von Petković lupfte (36.) sowie Hefele, der seinen Kopfball knapp neben das Tor setzte (41.), nutzen ihre Chancen nicht.

Nach der Pause folgte ein munterer Schlagabtausch mit Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Das Spiel gestaltete sich zum reinen Nervenkrimi. So nervös wie einst gegen Wattenscheid 09 oder Bielefeld II war ich allerdings nicht. Damals war es schließlich die letzte Chance aufzusteigen. Sollte es heute nicht laufen, boten sich noch weitere Matchbälle zur Vollendung. Amachaibou vergab gleich zweimal den möglichen Ausgleich (50./53.) auf Hachinger Seite, während Kruppke die Führung für den BTSV nicht weiter ausbauen konnte (49./52.). Den Rest erledigte mal wieder Petković, der Chancen von Mitterhuber (71.) und Amachaibou (74.) vereitelte. Im Gegenzug dann wieder Partystimmung im Eintracht-Block. 2:0 durch Kumbela, das war der Aufstieg! Aber Pustekuchen, Schiedsrichter Metzen entschied auf Abseits. Also mussten wir weiter zittern und hoffen. Die SpVgg. spielte weiter offensiv nach vorne, aber die Abwehr um Deniz Dogan konnte alle brenzligen Situationen entschärfen. Das Spiel näherte sich dem Ende und Haching immer wieder dem Eintracht-Strafraum. Bange Minuten bis zum Abpfiff. Wie lange lässt der herbeigesehnte Abpfiff noch auf sich warten. Der Minutenzeiger schritt einfach nicht weiter. Jetzt wurde ich doch noch etwas nervös, war der Aufstieg doch zum greifen nah.

Dann endlich: SCHLUßPFIFF!!! GESCHAFFT!!! ENDLICH RAUS AUS LIGA 3!!! Der Mob tobte. Einige hingen schon auf den Zäunen. Es wurde ein kleines Feuerwerk abgebrannt. „Nie mehr dritte Liga...“ hallte es durchs Oval. Der Generali-Sportpark glich einem Tollhaus. Die Mannschaft kam zu unserem Block und ließ sich feiern, stimmte freudig mit ein. Jetzt wollte natürlich jeder zu ihnen, der Ordnungsdienst hielt die Tore aber verschlossen. Die ersten sprangen vom Zaun ins Stadioninnere. Dabei ereignete sich ein grausamer Unfall, bei dem ein Anhänger mit seinem Ring im Zaun hängen blieb und ihm dabei regelrecht die Haut vom Finger abzog. Heinzi war Augenzeuge und es war nach seiner Aussage kein schöner Anblick. Dies war zu unserem Bedauern die unschönste Szene an diesem so wundervollen Tag. Der Kamerad wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. An dieser Stelle nochmal die besten Genesungswünsche von den Elchen und der Society!

Ob es an diesem Ereignis lag kann keiner so genau sagen, aber die Tore öffneten sich und die blau-gelbe Partygemeinschaft stürmte die Grünfläche. Die frisch gebackenen Aufstiegslegenden waren zwischenzeitlich in die Kabine geflüchtet. Die Eintrachtgemeinde lag sich gegenseitig in den Armen. Es wurde geschrien, gesungen und abgeklatscht, Freudentränen waren in einigen Gesichtern auszumachen. Der absolute Wahnsinn, so ein geiles Gefühl! Mittlerweile mischte sich die Mannschaft wieder unter uns, jeder wollte sie berühren. Domi Kumbela sorgte direkt neben mir für die erste Sektdusche. Zur Abwechslung stanken meine Klamotten also mal nach Sekt. Nein, das ist nicht ganz richtig. Das war heute ein ganz besonderes Aroma, das war Aufstiegssekt! Micha erbeutete sich die leere Pulle als Andenken. Lieberknecht schmetterte weitere Ansprachen und animierte den Anhang erneut zum Singen und zum Feiern. „Lasst die Sau raus, Ihr habt es Euch verdient...“ drang seine Stimme zu uns vor. Gesagt, getan. Mit einem „Nie mehr dritte Liga...“ auf den Lippen und der leeren Sektflasche in der Hand stolzierten wir Richtung Biergarten. So wurde ein Kameramann auf uns aufmerksam und bat uns für ihn zu posieren. Micha fragte, von welchem Sender er denn sei. Der Kameramann erwiderte: „Sport1“. „Nee, von Dir lassen wir uns nicht filmen!“ konterte Micha. Verdutzt meinte der Kameramann, daß er doch nur seinen Job machen wolle und ein paar nette Bilder einfangen möchte. Darauf die einhellige Meinung, daß wir gegen seinen Job nichts hätten, lediglich etwas gegen seinen Sender. So schob er schlecht gelaunt von dannen, wir steuerten gut gelaunt unser Ziel an.

Im Biergarten ging die Fête weiter und wir verinnerlichten die Worte des Trainers. Die Bediensteten waren mit dem großen Ansturm aber sichtlich überfordert und kamen nicht so richtig zu recht. Es dauerte seine Zeit bis jeder sein(e) Bierchen hatte. Und die Welle trinkfreudiger Kehlen wollte abrupt nicht enden. Die Live-Kapelle, die hier heute spielte, hatte garantiert nicht mit so einem Andrang gerechnet. Allerdings war die überwiegende Mehrheit nicht ihretwegen anwesend, wie sich jeder denken kann. Derweil waren auch einige Spieler wieder präsent und einer von ihnen – leider weiß ich nicht mehr welcher (Anm. Micha: War das nicht "nur" nen Cattivist?) – eroberte sich das Mikrofon der Sängerin und ließ einige Eintrachthymnen auf die Meute los. Also weiterfeiern, aber das tat jeder gerne. Mit den Sechzigern wurde flugs ein Tisch erobert und noch ein paar Weizen vernichtet ehe die Wagenbesatzung, die montags wieder zur Arbeit musste, aufs Tempo drückte.

Im „Nußknacker“ floß dann wieder unser beliebtes Wolters, nicht ganz kalt aber genießbar. Ein paar Liedchen wurden noch angestimmt ehe nach und nach bei allen die Müdigkeit durchdrang. In Unterhaching hatte sich unglücklicherweise noch ein weiter Fahrgast in Form eines Poltergeistes in den Bus geschlichen. Aber und abermal dieses seltsame Geräusch, das alle wieder wach werden ließ. Der Poltergeist entpuppte sich allerdings nur als händische Unterfunktion, die abwechselnd bei André, Carsten und mir die halbvollen bzw. halbleeren Wolterspullen gen Fußraum fallen ließ. Durch mehrere Ruhephasen gestaltete sich die Rückfahrt recht kurzlebig und Heinz kutschierte alle Teilnehmer sicher nach Hause.

Mit fettem Sonnenbrand und ohne Kopfschmerzen begann ich den Montagmorgen. Hätte ich bloß das Angebot von Melanie angenommen, als sie mir die Sonnencreme zur Verfügung stellen wollte. Aber was soll’s, wenn schon kein Schädelbrummen dann halt verbrannte Haut.

Gegen 12 Uhr bin ich zu Heinz gefahren um den Bus wieder abzuholen. Den Fußraum musste ich selbstverständlich nochmal durchwischen bevor ich ihn wieder abgab. Mit Heinz verabredete ich mich gegen 15:30 Uhr im Stadion um unsere Helden zu empfangen. Hier konnte er nun auch endlich sein erstes richtiges Aufstiegsbierchen zu sich nehmen. Die Sonne brannte wieder, die Elche auch. Die Mannschaft wurde gebührend empfangen. Die Party ging da weiter wo sie am Vortag aufhörte. Mit guter Stimmung und grauenhafter Musik aus den Stadionlautsprechern wurde das Kapitel „Aufstiegsfeier, Part I“ abgeschlossen. Aber die Feierwochen sollen ja erst am 15. Mai enden. Na denn: „Ihr seid jetzt Legende, feiern bis zum Ende, nie mehr dritte Liga, BTSV!“

 

P.S.:

Danke nochmal an das Team und den Trainerstab für diese geile Saison.

NIE MEHR DRITTE LIGA!

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Kommentare (2)
Cattiva ? - Manschaft ?
1 Donnerstag, den 28. April 2011 um 20:07 Uhr
Carsten
nun ja, die Cattivisten sind ja in der FC-Liga auch souverän und frühzeitig Meister geworden, da kann man sie schon mal mit der Manschaft verwechseln ;o) und blaue T-Shirts hatten se ja auch an.....
???
2 Donnerstag, den 28. April 2011 um 23:13 Uhr
Giovanne
Is' ja gut, wusst ich nicht mehr. Habt da auch nicht so genau hingesehen...

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