FC Carl Zeiss Jena – Eintracht Braunschweig 2:2 (2:2) 07.05.2011 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 10/11
Geschrieben von: Sascha   

3. Liga
Stadion: Ernst-Abbe-Sportfeld
Zuschauer: 7.549

„Die Elche machen ’nen Bus nach Jena“. Dieser Satz verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch Braunschweig und innerhalb von fünf Tagen war der 50er-Elchtransporter ausgebucht. Und dann dieser Blick auf die Teilnehmerliste. Genial! Neben Elche & Society gesellten sich u.a. so illustere Gäste wie Robin, Jan, Mecke und Ralf zu uns, um nur einige zu nennen. Der Spaßfaktor sollte also ganz groß geschrieben werden. Daß sich daraus aber eine regelrechte Kultfahrt entwickeln würde, konnte nun wirklich niemand vorhersagen. Aber dazu später mehr.

Wenn ich jetzt erwähne, daß ich mir ein frisch erworbenes „Trinken kann jeder... Saufen nur die Elite“-T-Shirt früh morgens überstreifte, kann sich sicherlich jeder denken, daß das heutige Spiel nur zur Nebensache werden sollte. Mit vier Instand-Cocktails und ’nem Sixpack WoPi im Kulturbeutel ging’s mit Stephi und Muttern zum ZOB, wo schon ein Teil der Reisegruppe wartete. Kurz darauf sorgten die Reiseleiter Böhm und Behm mit (teils-)gekühlten WoPi-Kisten im Palettenwagen für die ersten Freudentränen in einigen Augen. Die Fahrt konnte ja nur geil werden.

Die hinterste Reihe im Bus wurde erobert und mit Björn und André von der Society hatte ich zwei trinkfreudige Zeitgenossen an meiner Seite. Die Neffen von Micha C. schmissen auf der Hinfahrt noch eine Geburtstagskiste, die wir wohlwollend annahmen. Der Busfahrer fuhr eine sehr eigenwillige Strecke über die B6 Richtung A14, ansonsten verlief die Hinfahrt aber recht ereignislos. Aber Moment, eine Sache von der Hinfahrt sei hier noch erwähnt. Unglaublich aber wahr: Fabi hat es tatsächlich geschafft einen Elche-Aufkleber auf einem Polizei-Motorrad zu verewigen. Und das sogar mit Einwilligung der Cops. Er hatte eine Wette mit Dirk laufen, daß er es sich nicht traut. Aber nach kurzer Rücksprache durfte der Elchkopf nach polizeilicher Anweisung den Tank zieren. Sehr geil!

Kurz vor Jena bekamen wir schließlich eine Eskorte von den THiPs (Thüringen Highway Patrols). Durch die Straßen Richtung Ernst-Abbe-Sportfeld wurden wir vom bundesweit als sehr gastfreundlich eingestuften FCC-Anhang mit Stinkefingern begrüßt. Ein nettes Völkchen diese Jenenser. Oder heißt das Jenaer? Egal, die von da unten.

Eigentlich wollten einige von uns vor dem Spiel nochmal ins „Paradies-Café“ einkehren, wo Carsten und ich uns in der Vorsaison schon mal aufhielten. Durch die anwesende Volkspolizei, die das Areal bis zum Stadiongelände absicherten, wurde uns ein Besuch jener Kneipe allerdings verwehrt. Also rein in den völlig überfüllten Gästeblock. Da die Sicht doch recht beschränkt war, suchte ich mir ein annehmbares Plätzchen und wühlte mich mit ein paar anderen durch den Eintracht-Mob. Da ich dem Spiel aber nur der ersten Halbzeit beiwohnte, werde ich nicht viel über das Spielgeschehen berichten. Nur soviel, daß die Eintracht bei brüllender Hitze leicht feldüberlegen war und in der 17. Minute durch Kumbela zum 1:0 kam. Drei Minuten später glich Orlando Smeekes aus kurzer Distanz aus. Bevor Damir Vrancić in der 27. Minute per Freistoß auf 2:1 erhöhte, ließ der BTSV zu viele Chancen auf dem Felde liegen und hätte eine höhere Führung verdient gehabt. Das 2:2 durch Sebastian Hähnge (38.) bekam ich allerdings nicht mit, da ich mich bereits auf dem Weg zur Bierbude befand um ein Wasser zu erwerben. Ein Wasser?!? Ja, richtig gelesen, ein Wasser! Denn durch die Affenhitze brauchte ich eine Erfrischung und wollte meiner Kehle kein alkoholarmes Hopfen-Malzgetränk antun. Da sich die Schlange vor der Bierbude aber in die Länge zog, das Spiel eigentlich vollkommen egal war und der Planet bei mir für eine leicht rötliche Hautfarbe sorgte, suchte ich mir ein paar Leutchen zusammen, die mit mir ins „Paradies-Café“ ziehen wollten. Dies war auch die richtige Entscheidung, denn kurz darauf stürmte die Volkspolizei den Gästeblock. Weshalb kann ich nicht genau sagen, es soll wohl jemand ein Tor o.ä. geöffnet haben. Wenn dies so war, eine völlig überzogene Aktion der VoPos.

Wir stießen auf eine weitere Gruppe Braunschweiger, die sogar eine noch bessere Idee hatte. Denn direkt neben dem „Paradies-Café“ befand sich eine Art „Okercabana“, halt nur an der Saale. Also eine „Saalecabana“ oder so. Hier eroberten wir sehr schnell ein paar Liegestühle. Nach und nach füllte sich die „Saalecabana“ mit mehr Braunschweigern. Mit einem gut gekühlten Beck’s in der Hand ließ ich mir in der Liege die Sonne auf den Pelz brennen, unterhielt mich mit Uwe und Julia über Gott und die Welt und ignorierte eher unfreiwillig den sich bei mir über die Lautstärke beschwerenden Besitzer der Strandbar. Im Hintergrund wurde gegrölt und der BTSV zelebriert, die ersten Löwen sprangen formschön in die Saale. Langsam wurde es kultig. Wie allerdings die Bedienungen Torsten als Fußballfan identifizierten, bleibt deren Geheimnis. Denn das Eintrachttrikot abgelegt und mit freiem Oberkörper am Tresen stehend, untersagten sie ihm seinen herbeigesehnten Cocktail. Harte Getränke wurden den Fußballanhängern angeblich verboten. Also gab’s für ihn auch nur ein normales Bier.

Aber so schön und gemütlich wie es hier auch war, irgendwann kam die Zeit sich Richtung Bus zu bewegen. Hier gab’s dann endlich wieder Wolters, etwas warm aber noch genießbar. Als schließlich auch der Rest den Bus erreichte, setzten wir uns endlich in Bewegung. Nun durften wir noch einem besonderen Schauspiel beiwohnen, als ca. fünf bis sechs Jenenser... ääh Jenaer... na ihr wisst schon... über die Grünflächen auf die acht Eintracht-Fan-Busse zustürmten. Mutig sind sie ja, die Je... ach lassen wir das... die Thüringer. Weit kamen sie allerdings nicht, denn schwupps war auch schon wieder die Volkspolizei präsent. Hier war jetzt richtig was los, denn aus allen Ecken kamen die Calimeros angesprungen und stürzten sich auf die eher erlebnisorientierten Kameraden. Nur an einen etwas stabiler gebauten Hünen trauten sie sich dann doch nur mit vereinten Kräften heran. Die Kabelbinder wurden festgezurrt und die ganze Show wurde von uns mit Gelächter, Gegröle und Schmähgesängen begleitet. Bis jetzt waren die € 35,- Fahrt- und Eintrittskosten also gut angelegt.

Aber es wurde noch besser. Jetzt begann sich die ganze Tour als bis dato nie dagewesene Kultfahrt herauszukristallisieren. (Anm.: die folgenden Schilderungen könnten sich chronologisch etwas anders abgespielt haben, ich bitte dies zu entschuldigen) Ich weiß nicht mehr wie es anfing, aber plötzlich standen Rauti, Hoppi und ich mit freiem Oberkörper im hinteren Teil des Busses. Noch wollte uns keiner so recht nachahmen, also orderten wir mit einem „Wo ist Carsten Böhm...“ den Präsidenten in unsere Gefilde und der nächste Alabasterkörper wurde für die Fahrgemeinde freigelegt. Durch unsere Animationen fielen nach und nach immer mehr Hüllen, Torsten bekam davon allerdings wenig mit, da er in unserer Mitte selig schlief. „Keiner schläft so schön wie Torsten Langer...“ hallte durch die Reihen. Die Augen öffneten sich langsam und der nächste stählerne Körper ergötzte sich. Jetzt Koppelmann. Der kleine Robin. Verwundert rieben wir uns alle die Augen, was er da für ein Brustpelz rausholte. Damit hat nun überhaupt keiner gerechnet. Die kleinen unscheinbaren wieder. Dann war Herr Bauer an der Reihe, aber der liebe Jan zierte sich noch ein wenig. Somit kreierten wir den Smash-Hit für die restliche Fahrt. „Oohh Jan Bauer... walking in a Bauer-Wonderland“. Er konnte ihn zwar irgendwann nicht mehr hören, aber es gab den neuen Gassenhauer nun im Minutentakt. Irgendwann hatten wir ihn dann aber soweit und sein Astralkörper kam endlich zum Vorschein, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Udo, Hacke... die Nächsten wollten mitmachen. „Und wir werden immer mehr, halleluja...“. Okay, für die weibliche Besatzung unter uns war diese Fleischbeschauung wahrscheinlich kein so freudiges Erlebnis, aber sie brauchten ja nicht hinsehen. Und noch ein Opfer: Holger Böhm. Aber auch hier null Reaktion. Seiner neuen Freundin zu Liebe, die heute mit dabei war, blieb er vorerst solide. Vorerst, denn erst nach mehreren von Rauti angestimmten „...und Du willst ein Böhm sein!“ konnte er überzeugt werden. Der Fleischberg wuchs immer weiter, fast ⅔ des Busses hatte er schon erfasst. Aber was war denn da vorne los? Da saßen doch wirklich Bernhard und Ralf ganz unbehelligt herum. Aber die beiden wollten partout nicht mitmachen. „Bernhard und ianca, oh oh ohohoh...“. Nichts. „Oberkörper frei, oder evangelisch...“ Nichts. Die beiden waren nicht zu knacken. Und tatsächlich, in unseren Reihen hielt sich der Heinz auch noch bedeckt. Aber auch hier waren alle Versuche nutzlos. Sei's drum, jetzt wurde jeder Einzelne aufgefordert ein Lied anzustimmen. Die komplette Eintracht-Hitparade wurde zum Besten gegeben. Dann war Herr Bauer an der Reihe. Aber niemand sang mit, stattdessen tönte wieder ein „Oohh, Jan Bauer...“ aus allen Kehlen. Dann Polonaise durch den Bus, Party pur. Die durchgeschwitzten Körper tanzten durch die Reihen. Wir näherten uns immer mehr der geliebten Heimat. Beim Rastplatz „Brockenblick“ rasselte die komplette Fleischmasse lauthals aus dem Elchtransporter. Grölend umarmend erschreckten wir eine pausierende Hildesheimer Familie. Diese suchte schnell das Weite und raste mit dem Auto hinfort. Allmählich ergibt der Ausspruch „Elche in den Zoo“ einen immer tieferen Sinn. Uns darf man eigentlich nur noch der Hilfsgruppe „Betreutes Trinken“ anvertrauen. Nochmal eine Polonaise über den Rastplatz, schnell ein Gruppenbild gemacht und die letzte Etappe in Angriff genommen. Langsam machte sich das laute Singen und die Klimaanlage bei mir bemerkbar, denn meine Stimme verabschiedete sich zusehends. Die Reisegruppe Wolfenbüttel setzten wir – welch Überraschung – in Wolfenbüttel ab, kurz darauf hatte uns unser geliebtes Braunschweig wieder. Wir philosophierten noch kurz über diese geile Fahrt, danach teilten sich die noch Anwesenden in alle vier Himmelsrichtungen auf. Jan Bauer wurde mit seiner Hymne verabschiedet und ein paar Unentwegte – darunter meiner einer – verlief sich noch in der Stadt. Gegen 6 Uhr morgens endete schließlich das Kulturprogramm für mich zu Hause mit guter Laune und ohne Stimme.

 

Fazit: Eine geile Tour mit einer 1a-Besatzung, die so schnell nicht zu toppen sein wird.

Share
 
Kommentare (7)
unbedingt wiederholen
1 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 03:41 Uhr
Torsten
Welches ist denn die weiteste Auswärtsfahrt nächste Saison, München ? Die will ich mit derselben Besatzung ! Es gibt nur eihhhnnnn Jan ...
bin auch dafür
2 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 04:47 Uhr
Giovanne
Ja, München und Augsburg sind wohl die weitesten Fahrten. Hoffentlich ist dann kein Oktoberfest. Die kriegen ja 'ne Krise, wenn wir dort einfallen!

Ich bin auch für 'ne Wiederholung, aber vorher gießen wir noch Jan Bauer in Bronze!!!
Augsburg?
3 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 06:53 Uhr
BSer
Da hat wohl einer die Aufsteiger in Liga 1 nicht mitbekommen...

Ich wäre dafür, immer zum Saisonabschluss so eine Tour zu organisieren. Könnte dann zu einer Art Tradition werden, ohne dass es sich zu schnell abnutzt...
Fleichbeschauung
4 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 07:11 Uhr
Sonja
"Okay, für die weibliche Besatzung unter uns war diese Fleischbeschauung wahrscheinlich kein so freudiges Erlebnis, aber sie brauchten ja nicht hinsehen."

Wir brauchten ja nicht hinsehen? Sascha! Es gab gar keine Möglichkeit für uns etwas anderes zu sehen. Aber immerhin hab ich doch sehr schöne Fotos von euch gemacht ;-)
'tschuldigung
5 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 16:53 Uhr
Giovanne
@ BSer:

Oh verdammt, war kurz nach'm aufstehen. Ich sollte so was nicht im Halbschlaf schreiben, sorry!

@ Sonja:

Augen zu machen hilft da! Augen zu, an was schönes denken und bubu machen ;-)

Und daß die Fotos schön sind ist doch selbstredent, von uns gibt's doch gar keine häßlichen, oder? :-b
ELCHEXPRESS
6 Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 20:53 Uhr
kuschel
DAS WAR DIE MUTTER ALLER FAHRTEN !!!!!
ein Carsten Böhm...
7 Donnerstag, den 26. Mai 2011 um 09:07 Uhr
Rauti
Der Gassenhauer der Holger letztendlich überzeugt hat war genau genommen "Du hast den Nachnamen nicht verdient!";-)

Ansonsten bin ich aber begeistert wie originalgetreu du den Bericht trotz der beschriebenen Marschverpflegung fertiggebracht hast:-)

Idee von Micha ist sehr schön. Man müsste nur was ändern wenn die letzte Auswärtfahrt allzu kurz ist. Nach Paderborn oder so ist für diese legendäre Besatzung zu schade. Da sind wir ja noch nüchtern wenn wir da ankommen...

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Titel:
Kommentar:
  Sicherheitscode zur Prüfung. Nur Kleinschreibung. Keine Leerzeichen.
Sicherheitscode-Prüfung: