Gastbericht: 1. FC Köln - Borussia Dortmund 1:6 (1:1) 25.03.2012 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 11/12
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

1. Bundesliga
Stadion: Rhein-Energie-Stadion Köln
Zuschauer: 50.000 Zuschauer (ausverkauft)

Leicht verkatert schleppten wir uns zum Fisch-Frühstück bei Gosch im Kölner Hauptbahnhof, das uns körperlich soweit nach vorne brachte, dass wir kurze Zeit später mit einem frisch gezapften Früh-Kölsch am Dom saßen. Bei Bomben-Wetter beobachteten wir das interessante Treiben aus Bettlern, Touristen und Fussball-Fans. Sehr amüsant dass zwischen hunderten BVB- und FC-Fans ein Japaner stolz mit seinem Bayern-Trikot rumlief und damit wahrscheinlich dachte, er wäre hier der Star weil er ja ein Souvenir aus dem Land trägt dass er grade besucht. Hehe, der kriegt möglicherweise gleich welche auf die Nase und weiß gar nicht warum. Völlig verrückt. Als wir realisierten, dass über Nacht die Uhr ne Stunde vorgestellt wurde, fuhren wir nach Müngersdorf wo wir in einer genialen Kölsch-Kneipe die Zeit bis zum Anpfiff verbrachten.

Trotz Sky hatten wir aber nicht das Glück noch wenigstens ein Drittel der Haie in Berlin zu sehen, was aber nicht schlimm war, die Stimmung war hier bestens, Kölner und Dortmunder feierten gemeinsam zu Kölsche Tön. Geil an dieser Stelle der Köbes, der uns 3 Kölsch brachte, nen 10-Euro-Schein entgegennahm und anschließend Probleme hatte das Wechselgeld zusammenzusuchen. Svennis Aufforderung “Passt schon, runde einfach auf” beantwortete er mit “Hab ich schon!”

Danach gings ins Stadion. Da Zwacki am letzten Tag des Mitgliederverkaufs beim Ticketcenter anrief, hatten wir zwar 3 Karten im gleichen Block, allerdings nicht direkt nebeneinander. Wir hatten von der Westtribüne eine gute Sicht auf beide Fanlager, wobei heute auf Kölner Seite nicht allzu viel zu erwarten war. Nicht nur die sportliche Situation drückte auf die Stimmung, auch das Verbot der Wilden Horde durch den FC sorgte dafür, dass die Südtribüne heute mehr oder weniger zum Boykott aufgerufen hatte. Eigentlich schade, gilt doch die halbe Stunde vor dem Spiel in Köln ligaweit als die Beste. Ich nutzte also die Zeit und kümmerte mich um die Pilsversorgung, was fast im Desaster endete, auf meiner Karte waren nämlich nur noch 5,50 Euro…nanu, ich war mir sicher, die Karte vor dem Spiel in Frankfurt mit genug Geld ausgestattet zu haben, hatte dort nach dem Spiel allerdings auch ordentlich Durst. Wie auch immer, die 3 bereits gezapften Bier mussten erstmal warten, Karte aufladen war angesagt. Aber auch diese Klippe wurde gekonnt umschifft. Zum Anpfiff waren wir wieder auf den Plätzen.

Die Ausgangslage war klar. Köln durfte dieses Heimspiel eigentlich nicht verlieren, da das Punktepolster auf den Relegationsplatz seit Wochen schrumpfte, während der BVB ebenfalls unter Zugzwang stand, Bayern hatte am Vortag einen knappen 2-1-Sieg gegen 95+1 eingefahren, und Kloppo´s Jungs wollten den 5-Punkte-Vorsprung natürlich wieder herstellen. Kölns Taktik hieß von Beginn an “Mauern und auf Konter lauern” die sogar aufging. Nachdem der BVB keine Lücke in der Kölner Hintermannschaft finden konnte, kam der FC zum Erfolg. Eine Flanke von Lanig unterschätzte Weidenfeller, Novakovic schlich sich im Rücken von Subotic weg und köpfte zur Führung ein(11.). Na toll. Borussia ließ sich davon aber nicht schocken sondern erarbeitete sich nun bessere Chancen. Zunächst konnte Rensing gegen Lewandowski klären, später entschärfte er Fernschüsse von Großkreutz und Gündogan. Ebenso deutlich auch da Kräfteverhältnis auf den Rängen, der Dortmunder Anhang hatte das Geschehen im Griff und wie auch schon in Berlin erkannte man beim ersten “Deutscher Meister steh auf” dass mindestens doppelt so viele Gästefans im Stadion waren als es das eigentliche Kontingent vorsieht, sprich cirka 10000 werden es wohl wieder gewesen sein.

Nach 26 Minuten dann der hochverdiente Ausgleich. Schmelzer schlägt einen Freistoss von der Torauslinie in die Mitte wo Piszczek per Kopf vollendet. Borussia nun wieder Geschäft, fast wäre dem sonst eigentlich etatmäßigen Vorbereiter Piszczek sogar das Schnüren eines Doppelpacks gelungen, seine Direktabnahme strich aber über die Querlatte. Kurz vor der Pause noch mal eine Schrecksekunde, Prinz Poldi hatte aber heute nicht seinen stärksten Tag und so pfiff Schiri Zwayer den ersten Abschnitt ab.

Mit Beginn der zweiten Hälfte legten die Jungs von Coach Jürgen Klopp los wie die Feuerwehr. Einen Freistoss von Gündogan lupfte Kuba in die Mitte wo Kagawa stand und den Ball aus eigentlich unmöglichem Winkel volley unter die Latte nagelte. 2-1 Dortmund! Sehr geil, das nenne ich ja mal einen Auftakt nach Maß. Kaum hatte ich mich wieder gesetzt, die nächste Szene. Kuba spielt auf Kagawa, der per Hacke wunderbar zurück in den Lauf von Kuba spielt. Kuba passt in die Mitte wo Lewandowski nur noch den Fuß hinhalten muss. 3-1. Der Gästeblock nun komplett am durchdrehen, während die Jungs auf dem Rasen keine Anstalten machten, einen Gang zurückzuschalten. Auch Poldi hatte nun gemerkt, dass das hier nichts mehr wird und holte sich nach einer von ihm provozierten Rangelei mit Subotic die gelbe Karte ab. Seine Teamkameraden ließen sich nun ebenfalls hängen und überließen den Gästen Ball und Platz. Sollte man vielleicht nicht tun wenn man tief im Abstiegsschlamassel steckt, in dem ja bekanntlich auch das Torverhältnis eine nicht zu unterschätzende Statistik ist. Der BVB blieb aber allen Mitleidsbekundungen schuldig und zog nun sein Spiel auf. Gündogan erhöhte nach einem sehenswerten Doppelpass mit Kagawa auf 4-1, nach Vorarbeit von Lewandowski machte der kleine Japaner das 5-1 dann wieder selbst, bevor der eingewechselte Perisic den Endstand markierte. Erwähnenswert, dass Großkreutz bei seiner Auswechslung großen Applaus von den Kölner Fans erhielt. Dürfte Deutschlands momentane Reizfigur Nummer 1 auswärts auch nicht allzu oft erleben. Ob seine Aussage “Wenn ich den BVB jemals verlasse, dann nur Richtung Köln” noch Bestand hat, darf nach dem Offenbarungseid der potentiellen Sportskameraden in den weißen Trikots ebenfalls bezweifelt werden. Mit dem Abpfiff legte der Gästeblock noch mal ein paar Dezibel zu, während im Rest des Müngersdorfer Stadions schon seit gut 20 Minuten größere Lücken auf den Rängen zu erkennen waren.

Wir verließen das Stadion Richtung Altstadt, wo wir den Abend bei mehreren Kölsch in netter Gesellschaft verbrachten. Neben einem Kölner und einem Dortmunder gesellten sich noch ein netter Engländer aus Sunderland und ein cirka 50-jähriger Chinese, dessen Deutsch-Vokabular lediglich aus “Danke”, Bitte” und “Jägermeister” bestand, zu uns. Als wir schließlich irgendwann in einer Schwulen-Bar landeten, dass aber erst feststellten, als mehrere Männer engumschlungen zu Take That tanzten, beschlossen wir, den ereignisreichen Tag für beendet zu erklären.

Für den nächsten Tag war dann die Rückfahrt angesagt, da der Genosse Restalkohol aber die Strecke Köln-BS noch nicht erlaubte, machten wir noch einen kleinen Umweg zum Geißbockheim wo eine Krisensitzung anberaumt war. Der Sky-Übertragungswagen war erwartungsgemäß vor Ort, mehr als Coach Solbakken, der auf dem Trainingsplatz die Reservisten des gestrigen Dramas eher missmutig dirigierte war aber nicht zu sehen. Schade. Wir beschlossen, im Heim noch was zu essen, und wer sagte es denn, zwei Tische neben uns saß der Prinz mit 3 Rentnern und ließ bei einem Glas Sprite das Spiel revue passieren. Da aber keiner der anderen Gäste Anstalten machte, ihn um ein Autogramm oder Foto zu bitten, nahm auch FC-Fan und Poldi-Jünger Svenni von diesem Plan Abstand, obwohl er per Telefon von seinem zu Hause sitzenden Sohn als Angsthase und Lusche betitelt wurde… Nach einem leckeren Schnitzel gings dann gen Heimat, die wir gegen 18 Uhr erreichten.

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