Gastbericht: VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 1:3 (0:1) 07.04.2012 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 11/12
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

Liga: 1. Bundesliga
Stadion: VW Arena
Zuschauer: 30.000 (ausverschenkt)

Wie jedes Jahr war diese Partie natürlich auch diese Saison wieder Pflichttermin. Mit Tickets war es aber diesmal so´ne Sache. Hatte ich sonst immer das Glück, die Dauerkarten von einem Bekannten meines Vaters zu ergattern, musste ich mich dieses Jahr selber kümmern, fast aussichtslos, wenn man kein BVB-Mitglied ist oder im VW-Werk seine Brötchen verdient. Timo der Fuchs hatte sich aber schon im Dezember um Karten bemüht und präsentierte 1a-Plätze, Unterrang, auf Höhe der Mittellinie, Reihe 9, womit er seinen vor 3 Jahren in Barcelona erworbenen Spitznamen “Amateur” eindrucksvoll widerlegte. Stefan komplettierte die Reisegruppe und so fanden wir uns um 12 Uhr am Braunschweiger Bahnhof ein.

Nach einer kurzen und auch kurzweiligen Fahrt, gefolgt vom Fussweg gen Stadion erreichten wir ca 2 Stunden vor Kick-Off die Bierbude hinter dem Gästebereich. Hier war die Stimmung bereits bestens, unter anderen oder vielleicht auch gerade weil ein dreiköpfiges asiatisches Fernsehteam auf Stimmenfang war.  Der Dortmunder Anhang ließ sich nicht zweimal bitten und gab minutenlang “Kaaagaawaaa Shinji”-Sprechchöre zum besten, das TV-Team hielt die komplette Zeit drauf und alle drei freuten sich wie die Schneekönige…

Nach drei Bier und einem Besuch am Fanmobil gings ins Stadion.

Der Gästeblock war logischerweise rappelvoll, wie die Jahre zuvor war die Hintertortribüne inkl Wölfi-Kurve ebenfalls fest in schwarz-gelber Hand, und auch wir waren Höhe Mittellinie nicht die einzigen die hier heute dem BVB die Daumen drückten, insgesamt also wieder gut 8000 Anhänger des Spitzenreiters. Wie auch schon vor 2 Wochen in Köln hatte Gastgeber-Szene zum Boykott aufgerufen, im Gegensatz zum Spiel in Müngersdorf war ich mir heute aber sicher, dass die Stimmung dadurch nicht schlechter werden würde als sonst…

Überrascht war ich dann allerdings von einem Spruchband, dass zwischen Unter- und Oberrang hing, was auf eine Choreo zum Einlauf hindeutete “Seit 1945 à KULT” stand darauf zu lesen, Stefans politisch nicht ganz korrekter Kommentar “da kenn ich noch einen” sorgte für Gelächter, bevor dann zum Einlaufen dann tatsächlich noch eine Blockfahne mit einem (jetzt kommts) VW-Bully hochgezogen wurde. Unglaublich dass sich manche Wolfsburger Fans nicht nur als Werbeinstrument missbrauchen lassen, sondern tatsächlich auch selber aktiv als eben jenes in Erscheinung treten…Der Gästeblock antwortete zunächst akustisch (“Ihr macht unsern Sport kaputt!”) und anschließend optisch in Form von schwarzen und gelben Rauch.

Dann gings auch endlich auch auf dem Rasen los. Während man sich in WOB nicht ganz so sicher ist, ob man nun richtig gut im Kampf gegen den Abstieg dasteht oder sauschlechte Aussichten auf Europa hat, ist die Lage in Dortmund klar: Die drei Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus München verteidigen. Dies war gar nicht so einfach, denn das Spiel war noch gar nicht angepfiffen, da war der Platz an der Sonne, zumindest laut Blitztabelle, schon futsch, da Gomez bereits nach 16 Sekunden zum 1-0 gegen Augsburg traf, während Kehl und Schäfer 597 km weiter nördlich noch die Seitenwahl ausfochten.

Bereits nach 4 Minuten kam Kagawa in aussichtsreicher Position an den Ball, fiel aber nach einer leichten Berührung etwas zu theatralisch um. Die nächste Chance hatte Lewandowski, der jedoch am Tor vorbei zielte. Danach fand Wolfsburg ins Spiel, hatte zunächst aber Pech bei einer Konterchance, anschließend scheiterte Dejagah kläglich mit einem Freistoß aus an und für sich aussichtsreicher Position. Das sie es nach Ecken besser können, bewies Helmes mit einem Kopfball, verfehlte aber das Ziel, ebenfalls wie Hummels auf der Gegenseite. Mehr als ansprechende Partie bis hierhin. Nach 22 Minuten schickt Kagawa den heute für Großkreutz in der Startelf stehenden Perisic über die linke Seite, der schlägt eine mustergültige Flanke in die Mitte wo Lewandowski keine Mühe hat zum 1-0 zu vollenden. Wer gedacht hatte, dass dies nun der Dosenöffner für einen ungefährdeten Sieg war wurde bereits 2 Minuten später eines Besseren belehrt, eine Flanke von Schäfer brachte der noch vor Kurzem vom Magath-Regime geächtete und verbannte Helmes Richtung Tor, wie Weidenfeller den Ball, obwohl gegen die Laufrichtung geköpft, abwehrte, wird ewig sein Geheimnis bleiben, Mandzukic´ Nachschuss verfehlte das Tor knapp. Durchatmen. Im Gegenzug die vermeintliche Chance zum 2-0, aber Schiri Dingert dachte sich wohl “wenn Weidenfeller richtig einen raushaut, kann ich das auch” und pfiff Abseits, obwohl Lewandowski, in dessen Richtung der Ball ging, teilnahmslos gen Mittellinie aus dem Abseits trottete, während Perisic der den Ball letztendlich erlief beim Abspiel des Balles sogar in der eigenen Hälfte war. Benaglio wollte den fälligen Freistoss schnell ausführen, brachte aber das Kunststück fertig, Perisic genau in der Füße zu spielen, der auf Lewandowski ablegte. Der Pole lief nun allein aufs leere Tor zu und wollte grad einnetzen da ertönt schon wieder ein Pfiff! Diesmal bemängelte der Referee, dass der Ball bei Benaglios Freistoß nicht ruhte. Dass der Gästeblock, vor dem sich diese beiden Szenen abspielten, jetzt komplett tobte, braucht denke ich mal nicht erwähnt werden, ebenso wenig wie die Tatsache dass dem Schweizer Keeper in Diensten des Wolfsburger Autohauses mehrere Tonnen Steine vom Herzen gefallen sein dürften.

Nachdem Benaglio kurz darauf ein 18-Meter-Brett von Gündogan um den Pfosten lenkte und die Ecke nichts einbrachte, war dann Pause.

Obwohl Pinkeln, Essen und Bierholen recht schnell vonstatten ging, verquatschten wir uns mit 3 Wolfsburgern, die Dauerkarte in WOB haben aber auch seit über 20 Jahren regelmäßig zur Eintracht gehen. Da wir uns nicht als Braunschweiger zu erkennen gaben, war es ganz interessant, diese völlig unverständliche Story zu hinterfragen, was dazu folgte, dass wir den Beginn der zweiten Halbzeit verpassten.

Plötzlich Jubel und man konnte beim besten Willen nicht raushören ob nun für die Heim- oder Gastmannschaft, aber das Ausbleiben des grausamen “Ramalamadingdongs”” brachte die Gewissheit: 2-0 BVB!! Gündogan bestätigte seinen Aufwärtstrend in der Rückrunde mit einem (wie ich nach dem Spiel auf der Leinwand sah) traumhaften Tor von der Strafraumgrenze.

Was nun eigentlich Sicherheit bringen sollte, brachte eher Unsicherheit, wir erinnern uns, 6 Tage zuvor verspielte die Borussia einen 2-0-Vorsprung(dabei 16 zu 2 Torschüsse in Hälfte 1) im eigenen Stadion gegen Stuttgart. Die Angst dass das nun wieder passieren konnte, war den Spieler anzumerken und tatsächlich wurde nun Wolfsburg die spielbestimmende Mannschaft und erzielte nach 61 Minuten in Person von Mandzukic den nun eigentlich fast verdienten Anschlusstreffer. Wolfsburg gab nun Vollgas und ich war froh, dass Magath seinen Goalgetter Helmes inzwischen vom Platz genommen hatte, denn so versuchten je einmal Madlung und Vieirinha, ihre Freistöße nicht vors Tor zu bringen, sondern wollten direkt abschließen, was gründlich misslang.

Der BVB kam eigentlich nur noch zweimal Richtung VfL-Tor, einmal verfehlte Kagawa mit einer Direktabnahme, kurz darauf stand der inzwischen eingewechselte Großkreutz im Abseits.

3 Minuten vor Ultimo startete Wolfsburg zur allerletzten Großoffensive die aus den eigenen Reihen umgehend wunderschön unterlaufen wurde. Anders ist es nicht zu erklären, dass Schäfer einen reinen Verzweiflungs-Befreiungsschlag von Schmelzer so mustergültig in den Lauf von Lewandowski legte, dass dieser gar nicht anders konnte, als alleine auf Benaglio zuzulaufen und die Entscheidung herbeizuführen. Das machte er aber absolut sehenswert per Außenrist. Jürgen Klopp war nun wieder voll in seinem Element, legte einen beeindruckenden Sprint zum Torschützen hin und fiel ihm in die Arme. Der Gästeblock war nun ebenfalls am Durchdrehen, die in den 90 Minuten präsentierte Lautstärke wurde noch mal getoppt, es wurde mehrere Male gefragt wer denn nun Meister ist bzw. wird und so brachte man die Nachspielzeit gekonnt über die Zeit.

Mit dem Abpfiff war der Jubel im Gästeblock und unter den vielen weiteren mitgereisten Dortmundern natürlich groß, der 3-Punkte-Vorsprung (Bayern gewann parallel gegen Augsburg 2-1) wurde verteidigt, die Mannschaft wurde mit den Klassikern “Zieht den Bayern die Lederhosen aus” und “Wir wollen den Derbysieg” in die Kabinen entlassen und auch wir verließen das Stadion. Nachdem Stefan und ich unsern Kaufrausch am Fanmobil ausgelebt hatten gings zu einem Abstecher über eine Dönerbude, wo wir uns mit Getränken für die Rückfahrt eindeckten, danach traten wir eben jene an und waren gegen 21 Uhr wieder in Braunschweig.

Ein guter Auftakt für die 11 Tage der Wahrheit mit den Spielen gegen Bayern(Tabellenplatz 2), auf Schalke(3.)  und daheim gegen Mönchengladbach(4.) war geschaffen, eine kleine Steigerung ist allerdings nötig um gegen den Rekordmeister die Tabellenführung zu behaupten. Lassen wir uns überraschen.

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