Gastbericht: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0) 21.04.2012 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 11/12
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

Liga: 1. Bundesliga
Stadion: Westfalenstadion Dortmund
Zuschauer: 80.720 (ausverkauft)

Wie auch schon im Vorjahr war es quasi unmöglich Karten für das letzte Saisonspiel in Dortmund zu ergattern, auch wenn der Gegner “nur” Freiburg heißt, sind die Chancen selbst für das größte Stadion der Nation bei einer Verlosung unter 250.000 doch eher gering, wenn man die 50.000 Dauerkarten und 8000 Gästekarten abzieht. Ich spekulierte also auf das vorletzte Heimspiel gegen Mönchengladbach. Problem: Der Vorverkauf begann just an dem Montag morgen um 8 Uhr, an dem ich in Köln den Rausch vom 6-1-Auswärtssieg ausschlafen musste.

Da die günstigsten Stehplatztickets bei eBay schon um die 150 Euro gehandelt wurden(und noch 2 Tage bis Auktionsende), sah ich die Felle schon davonschwimmen, bis mein Arbeitskollege Manni 3 Wochen vor dem Spiel die magischen Worte sagte “Ein Bekannter von mir hat zwei Sitzplatzkarten zu verkaufen. Mit nem kleinen Obulus”. Ich schlug sofort zu und fand mit Gladbach-Fan Andi auch gleich einen Mitfahrer.

Zunächst standen aber noch die Spiele gegen Stuttgart, Wolfsburg, Bayern und Schalke auf dem Programm, die dafür sorgen konnten, dass es in dem Spiel nur noch um die goldene Ananas ging. Angespannter als sowieso schon verfolgte ich die Bundesliga-Spieltage mit dem traumhaften Ergebnis, dass die Borussia mit 8 Punkten Vorsprung auf Bayern in die Partie ging, mehr noch, da Bayern seine Aufgabe in Bremen bereits um 15.30 Uhr meistern musste, der BVB aber erst um 18.30 spielte, konnte man bei einem Punktverlust der Bayern bereits eine Stunde vor Anpfiff als Meister feststehen. Und wenn die Bayern gewinnen, hatte es der BVB dennoch in der eigenen Hand…aber was erzähle ich, jeder weiß wie die Konstellation bei 8 Punkten Vorsprung 3 Spieltage vor Ultimo aussieht…

Nach einer fast komplett schlaflosen Nacht trafen sich Andi und ich mit Effi, der am Vorabend anlässlich des Spiels unserer Eintracht gegen Duisburg in BS weilte, am Bahnhof. Da uns hoffentlich ein langer Abend bevorstand zischte die erste Kanne tatsächlich erst bei der Weiterfahrt in Minden, hätte mir solch eine Disziplin fast nicht zugetraut, aber die Hoffnung darauf bei einer Meisterschaft live dabei zu sein versetzte quasi Berge, habe jenes Hochgefühl zwar anno 1995 schon mal erlebt, aber als 12-jähriger ist es doch irgendwie was anderes Cool

Um halb 1 erreichten wir unser Hotel in Bochum,  kurz darauf saßen wir auch schon wieder im Zug in die deutsche Fussballhauptstadt. Das auf eine Länge von gut und gerne 100 Meter an die Mauer neben den Gleisen schwarz auf gelb gesprühte “DEUTSCHER MEISTER IST NUR DER BVB!” war ein kleiner Vorgeschmack darauf was in der Stadt des amtierenden Titelträgers abging. Die komplette Innenstadt war schwarz-gelb, nicht nur die Leute die unterwegs waren, in jedem Gebäude regierten die beiden Farben. Sogar ein Brautmoden-Geschäft hatte seinen Schaufensterpuppen die noblen weißen Roben vom Leib gerissen und stattdessen das Trikot und nen Schal übergezogen. Kaum ein Fenster oder Balkon ohne Flagge, absolut krass. Und noch war man ja noch gar nicht Meister. Obwohl, doch, eigentlich ja schon, aber dieses Jahr halt noch nicht Zwinkernd

Wir zogen zum Alten Markt, wo wir uns bei einem leckeren Schnitzel für den Rest des Tages stärkten und dabei dem Beginn der Übertragung vom Bayern-Spiel beiwohnten. Man erkannte an der Reaktion der Zuschauer übrigens sofort wer eine Karte für das BVB-Spiel hatte (diejenigen hofften auf einen Bayern-Sieg, da es ja einfach schöner ist, aus eigener Kraft im eigenen Stadion den Titel zu holen und dann mit der Mannschaft zu feiern) und wer keine hat (diese hofften auf einen Startschuss der Feierlichkeiten um 17.15 Uhr, da man ja im Hexenkessel eh nicht dabei sein konnte). Zur Halbzeit stand es 0-0 und wir machten uns auf den Weg zum Stadion um die letzte halbe Stunde im Biergarten an der Roten Erde zu erleben, wäre eventuell etwas stressig geworden, wenn um kurz vor halb 6 die ganze Stadt am Durchdrehen ist und man dann noch eine Stunde Zeit hat um von der Innenstadt auf seine Plätze in Block 66 zu kommen. Kaum waren wir der Bahn am Stadion entstiegen hieß es 1-0 für Werder, kurzer Jubel, aber hier überwog der Teil der Leute die lieber um Viertel nach 8 richtig feiern wollten. Bayern drehte auch fairerweise in den Schlussminuten das Spiel, siegte 2-1 und vertagte damit die Entscheidung um den Titel um mindestens 3 Stunden.

Eine halbe Stunde vor dem Spiel saßen wir auf unseren Plätzen und mir wurde bewusst, dass die Truppe die sich da unten gerade warm läuft nicht nur Meister werden kann, sondern ja auch der amtierende Derbysieger ist. Nicht nur mir, wie sich herausstellte, sondern auch 75000 anderen, denn plötzlich hallte “Derbysieger steh auf” von den Rängen, Gänsehaut pur. 10 Minuten später rief Nobby das Team auf den Rasen, es konnte losgehen.

Der BVB übernahm sofort die Initiative und erarbeitete sich in Person von Lewandowski und Kagawa die ersten, allerdings relativ harmlosen Chancen. Nach 15 Minuten waren beide dann auch die Protagonisten der ersten richtigen Torchance, Shinji traf nur den Pfosten, Lewandowski erkämpfte sich den Ball, scheiterte aber aus 3 Metern an ter Stegen. 5 Minuten später stand das Stadion dann endlich Kopf. Schmelzer schlägt einen Freistoss in den Strafraum, Perisic steigt am höchsten und vollendet per Kopf zur Führung! 1-0!! So schnell kanns gehen, vor zwei Wochen waren die Bayern in der Blitztabelle schon Tabellenführer, nun plötzlich war der BVB in eben jener Tabelle Meister. Die unglaubliche Lautstärke in der deutschen Fussballoper wich aber umgehend wieder der Anspannung und Anfeuerung, (zumindest im West, Nord und Ostbereich, die Südtribüne war am Durchdrehen), zu viel Respekt hatte man vor der Gladbacher Offensivabteilung um Hanke, Arango und dem zukünftigen Dortmunder Reus und natürlich auch der bärenstarken Hintermannschaft um ter Stegen und Dante. Zurecht, wie sich wenige Minuten später zeigte, Daems bekommt den Ball auf links, flankt in die Mitte wo Hanke zum vermeintlichen Ausgleich vollendet. Denkste, der Linienrichter hatte die Fahne oben. Schwein gehabt. Dies war bis zur Pause auch die letzte nennenswerte Gelegenheit für die Gladbacher, auf der anderen Seite war dafür umso mehr los, zunächst scheiterte Hummels an ter Stegen, kurz darauf spielte eben jener Hummels einen unglaublichen Außenristpass über 50 Meter auf Kagawa, der ter Stegen mit einem Lupfer überlisten wollte, dies aber auch mit der Latte tat. Danach war Pause. Heftig, ich war zu aufgeregt um Bier zu holen und schickte Andi nach unten. Noch 45 Minuten bis zur schwarz-gelben Glückseligkeit.

In Hälfte 2 das gleiche Bild, die schwarz-gelbe Borussia klar stärker, es fehlte ab 20 Meter vor dem Tor aber die entscheidende Idee. Die wäre fast zum Verhängnis geworden, denn plötzlich taucht Reus alleine vor Weidenfeller auf, düpiert ihn mit einem Heber und will aus spitzem Winkel einnetzen, schießt dabei aber dem mitgelaufenen Schmelzer an die Hand, mit der er aber die wichtigste Körperstelle schlechthin schützt, daher zurecht kein Elfer. Kurz darauf Freistoss für die Gäste, aus ähnlicher Position wie Schmelzer vor dem 1-0, der aber völlig harmlos in den Armen von Weidenfeller landet. Warum ich diesen Freistoss erwähne? Weil es nun ganz schnell ging. Weidenfeller wirft zu Schmelzer, Schmelle schwakt den Ball die Linie runter auf Lewandowski, der dreht sich mit dem Ball und spielt ihn traumhaft in den Lauf von Kagawa. Kagawa legt den Ball mit der Ballannahme am herausstürmenden ter Stegen vorbei und schiebt ihn zum 2-0 in die Maschen. Was jetzt im Westfalenstadion los war ist mit Worten nicht zu beschreiben. Solch eine Lautstärke habe ich in meinem Leben noch nie erlebt, ich habe meinen eigenen Jubelschrei nicht gehört und das die Tormelodie gespielt wurde habe ich erst am nächsten Tag in der Zusammenfassung mitbekommen. Es war absolut unglaublich. Auf der Südtribüne fing es nun an allen Ecken an zu brennen, was durch die nun langsam einsetzende Dunkelheit auch viel geiler aussah, als wenn das Spiel um 15.30 Uhr angepfiffen worden wäre Lächelnd Dass der Zaun vor der Süd inzwischen auch komplett besetzt war, braucht auch nicht erwähnt zu werden… Kaum hatte Stadionsprecher Nobby Dickel den Torschützen abgefeiert, stand das Stadion zum Klassiker “Deutscher Meister ist nur der BVB!” auf.  (Anmerkung: Übelste Gänsehaut gerade noch mal beim Berichtschreiben…)

Der Drops war nun gelutscht und nach einer letzten Torchance von Stranzl hatte man das Gefühl dass auch die Gladbacher nun einfach nur noch erleben wollten was hier nach Schlusspfiff los ist (remember Wattenscheids Iyodo 2002, der hat dem Zimmermann doch absichtlich in die Arme geschossen… Zwinkernd )

Der Schiri spendierte dann noch 2 Minuten weitere Vorfreude, bevor der Schlusspfiff (in Personalunion mit dem Startschuss für eine lange Nacht) dann im grenzenlosen Jubel unterging. Die BVB-Ersatzspieler mit Coach Kloppo an der Spitze stürmten das Spielfeld, die Party konnte beginnen. Während die Spieler sich mit Bierduschen, Humbas, wieder Bierduschen, der obligatorischen Raupe und wieder Bierduschen vergnügten, schnappte sich Kevin Großkreutz das Mikro und stimmte vor der Südtribüne “Borussia Dortmund - Du bist unsere Droge” an und unterstrich mit der Tanzeinlage danach, dass er wohl der bekloppteste Bengel der Liga ist.

Ne gute Stunde dauerte die Party der Spieler auf dem Rasen mit den Fans auf den Rängen, danach leerte sich das Stadion und auch wir machten uns auf den Weg. Nächster Halt wieder Alter Markt, wo die Freunde der Pyrotechnik komplett auf ihre Kosten kamen. Knapp 2 Stunden brannten auf dem Platz die Bengalos, stilvoll begleitet von mehreren Leuchtraketen, die sich majestätisch in den Dortmunder Nachthimmel erhoben Cool Wir trafen meinen Dortmunder Spezl Jupp, mit dem wir zunächst am Alten Markt feierten, als es dann letztendlich übelst anfing zu regnen (Ist Petrus Schalker oder war das seine persönliche Sektdusche???) verlegten wir in eine Kneipe, nächste Erinnerung ist dann das Aufwachen auf dem Fussboden(!!) in unserm Hotel…

Nach einem durchaus guten Frühstück saßen wir dann um halb 1 im Zug gen Heimat, wo der Kater in Form von Brinkhoffs Pils stilsicher ausgekontert wurde. Um 17 Uhr erreichten wir müde, kaputt, fix und fertig aber (zumindest meinerseits) mit einem meisterlichen Hochgefühl die Heimat, wo ich nach einem abschließenden Gyrosteller auf die Couch fiel…

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