Gastbericht: TuS Neudorf-Platendorf - TuSpo Petershütte 1:0 (0:0) 01.09.2013 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 13/14
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

Landesliga Braunschweig
Stadion: Sportplatz TuS Neudorf-Platendorf
Zuschauer: 150

Uwe und ich haben bekanntlich vor nicht allzu langer Zeit das Wandern für uns entdeckt. Und damit man nicht nur sinnlos durch die Gegend juckelt, verbinden wir unsere sportlichen Aktivitäten ganz gerne mit dem Besuch eines Fussballspiels im Großraum Braunschweig. Wurden wir anfangs noch für völlig bekloppt erklärt, revidierten manche Freunde ihre Meinung hin zur Akzeptanz, im Falle von Robin weckten wir sogar den Wunsch, uns mal zu begleiten. Wir schauten also, dass wir ein Spiel ausgraben, welches nicht so weit entfernt ist, man wollte den Neuzugang in unserer blau-gelben Wander- und Hopping-Crew „Auf Schusters Rappen“ nicht gleich vergraulen.

Letztendlich war es aber unser FanPresse-Sprecher, der mit o.g. Vorschlag aufwartete. Wir waren beeindruckt denn bei ersten groben Schätzungen kamen wir auf gut 30 km. Ich hatte da schon leichte Bedenken ob Robin die Strecke packt, google maps haute mir dann letztendlich knapp 37km um die Ohren. Auch Uwe bezweifelte nun stark Robins Durchhaltevermögen, schließlich wäre das auch für uns das bisherige Maximum. Dieser antwortete, von Uwe damit konfrontiert, dass statt 30 nun 37 km bewältigt werden müssten, in seiner unnachahmlichen Art. „Tja, Uwe, dann müssen wir halt ne Stunde früher aufstehen!“ Einfach genial dieser jugendliche Leichtsinn. Cool

Nach einer kurzen Nacht (ich war erst gegen Mitternacht aus Hamburg zurück) trafen sich Uwe und ich um 7.30 Uhr am Marienstift, eine Viertelstunde später wollte Robin am Brodweg dazustossen. Leider wurde daraus 8 Uhr, unter anderem weil, jetzt kommts, seine Mutter uns auf der Helmstedter Straße vom Auto aus gesehen hat und ihrem Sprössling mitteilte, dass wir „sehr professionell, so mit Rucksack und so, aussahen“. Robin packte also ebenfalls einen Rucksack mit dem Nötigsten (Fotoapparat - Brotschatulle - Wolters 0,5 - Wolters 0,33) ein.

Dann gings los. Brodweg - Ebertallee - Messeweg - Querum - Waggum - Bevenrode - Grassel - Wedesbüttel hieß die Route bis zum Mittellandkanal, auf der viel dummes Zeug, hauptsächlich bestehend aus Anekdoten über das Auswärtsspiel in Hamburg am Vortag und über die Groupies von Robin in der Bibliothek der TU BS, erzählt wurde. Leider hatte google eine Wegsperrung am Flughafen nicht auf den Schirm, was uns einen kleinen Umweg einbrockte. Nach exakt 20km überquerten wir besagten Kanal. Auf der Brücke wollte Robin dann nicht nur Fotos von vorbeifahrenden Schiffen, sondern auch eine erste Pause machen um gemütlich sein zweites Bier aufzureissen. Diese wurde ihm gewährt, wir waren schließlich noch top in der Zeit. Die Hälfte der Strecke war geschafft und wir hatten noch 4 Stunden bis zum Anpfiff.

Mit Wiederaufnahme der Tour ging die Durchschnittsgeschwindigkeit der „Reisegruppe Lustig“ merkbar nach unten, problematisch war außerdem der Akku-Stand meines Telefons, die Gefahr stand im Raum, das ausgerechnet bei unserer heutigen Rekord-Tour die Dokumentation schiefgeht. (um dies vorweg zu nehmen – bei KM 30 war der Ofen aus…) Robin verlor nun mehr und mehr den Anschluss, in Isenbüttel machten wir noch eine kleine Pause, wo Uwe und ich dann auch das erste Bier tranken. Der Nachwuchs fing im Anschluss mehr und mehr an zu fantasieren, er erklärte, dass er nie mehr meckern würde, wenn ein Profifussballer über von ihm bisher als Kleinigkeiten bezeichnete Sehnenprobleme, Muskelverhärtungen oder einen einfachen zumachenden Muskel klagt. Auch höchst amüsante Dehnübungen konnten nicht verhindern, dass sein Hauptaugenmerk von Tankstellen und Kiosken mehr und mehr zu Bushaltestellen und Bahnhöfen schweifte, Schlagwörter wie „Sklaventreiberei“ und „Neudorf -Plattfuß“ drangen zu uns nach vorne.

Die von Uwe und mir als „Regenerations-Wanderung“ titulierte Tour verglich er mit dem Gang nach Canossa…einfach herrlich. Schließlich war es dann soweit dass er kleinlaut eingestehen musste, die Strecke völlig unterschätzt zu haben, was durch die Sambatrittchen und Sneakersocken mehr als deutlich wurde. Er fügte aber an, dass er für solche Strecken eh nicht gemacht sei, er ist schließlich mehr so der „geistige Arbeiter“. Unserer Anmerkung dass man geistig nicht sooooo hart zu arbeiten scheint, wenn man eine knappe Marathonstrecke unterschätzt, verweigerte er eine für besagte geistig arbeitende Leute angemessene Antwort, lediglich ein „Das ist mir scheissegal, ich werde mich in Neudorf-Platendorf so hemmungslos besaufen!“ war ihm noch zu entlocken.

Da wir ihn nicht völlig allein zurücklassen konnten und wollten, war der Anpfiff nicht mehr im Bereich des Möglichen. Nach dem Schild „Neudorf-Platendorf 3km“ keimte noch mal kurz die Hoffnung eventuell zur zwanzigsten Minute aufzulaufen. Dies stellte sich aber als Trugschluss heraus, denn das verschlafene Nest verfügt über eine schnurgerade Dorfstraße, die sich sage und schreibe 6km hinzieht und der Sportplatz befindet sich eher in der nördlichen Hälfte. Wir mussten uns nun also sputen und verloren Robin aus den Augen, waren uns aber sicher, dass er aufgrund seiner Auslandserfahrung durchaus in der Lage war, den Platz alleine zu finden.

Pünktlich zur Halbzeit erreichten wir nach exakt 40,7km Gesamtstrecke die Anlage, ließen uns im Vereinsheim nieder und orderten erstmal 5 Bier. Danach wollte man sich in Ruhe um was zu essen kümmern, doch just in dem Moment betrat der Grillmeister den Raum und verkündete stolz „ausverkauft“ Na toll! Aber gut, das bisschen was wir essen können wir auch trinken (1,30 pro Bier ist mehr als gastfreundlich) und suchten uns, bewaffnet mit einem 6er Träger, gefüllt mit Feldschlössen ein nettes Plätzchen. Das fanden wir und nachdem wir erfuhren, dass es noch 0-0 stand ließen wir es uns bei Sonnenschein und Pilsbier gut gehen.

Die Teams egalisierten sich weitgehend im Mittelfeld, lediglich in Minute 51 kam es zu einer klaren Torchance für den Aufsteiger aus Neudorf-Platendorf, Gahrmann scheiterte jedoch freistehend am Petershütter Keeper Hagemann. Das Level der Partie war absolut überschaubar, zumindest wenn man sich die zweite Hälfte anschaut, wäre ein Remis absolut gerechtfertigt gewesen. In Minute 81 dann aber plötzlich doch noch Jubel bei den Hausherren, Gahrmann versuchte es diesmal aus 18 Metern und versenkte das Leder im Gästegehäuse. Kurz darauf sogar die Möglichkeit zum 2-0, Wieloch brachte es aber fertig aus aussichtsreicher Position zum Einwurf zu verwandeln. Das wäre aber auch zuviel des Guten gewesen, und so blieb es dann beim 1-0. Petershütte musste damit beim Aufsteiger die erste Saisonpleite hinnehmen, Neudorf-Platendorf verbesserte sich auf Rang 11.

Da wir noch eine Stunde Zeit hatten, bis die Bibi uns abholen wollte, verlegten wir wieder ins Vereinsheim und taten das was wir am besten können. Besonders ins Zeug legte sich Robin, der seit Ankunft schon nen guten Zuch drauf hatte. Als Madame vorfuhr orderte ich sogar noch eine Runde zum Mitnehmen, dies schien unserm Jungspund aber nicht zu reichen, beim Einsteigen erklärte er der sichtlich überraschten Fahrerin noch vor der Begrüßung „Wir brauchen eine Tankstelle!! Wir brauchen Bier!!“ Da weit und breit keine Tanke zu erkennen war, kurbelte er kurzerhand das Beifahrerfenster runter und skandierte „Kühe-Schweine-Platendorf!“ Keine Minute später (wir waren wirklich grade aus Neudorf-Platendorf raus und fuhren auf der Strecke die wir herkamen - er WUSSTE also was für Einrichtungen die nächsten Kilometer am Wegesrand lagen) wirkte er schon etwas verärgert als er Bibi energisch darauf hinwies, dass ihm „eine Tankstelle versprochen wurde“ Sensationell. Uwe und ich saßen auf der Rückbank und feierten ab. In Meine war Robin endlich am Ziel seiner Träume, 20 Minuten später war er dann sogar auch zu hause.

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