Hannoi 95 + 1 - Eintracht Braunschweig 0:0 (0:0) 08.11.2013 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 13/14
Geschrieben von: Sonja D.   

1.Bundesliga
Stadion: HDI-Arena
Zuschauer: 47200 (ausverkauft)

Die Derbykalender waren leer, das Tage zählen hatte ein Ende! Erst vor kurzem jährte sich der 10-jährige Jahrestag des letzten Derbysieges und nun stand mein erstes Auswärtsderby an, da mein Bruder mich (mittlerweile nachvollziehbarerweise) damals altersbedingt nicht mitnehmen wollte. Lange bevor der Wecker klingeln sollte lag ich, wie viele andere auch, wach in meinem Bett, das Flutlicht des Trainingsplatzes erleuchtete mein Schlafzimmer. Völlig überdreht fuhr ich zur Arbeit, musste ich doch hier heute noch 6h absitzen. Meine Kollegen hatten alle nur dieselben Themen auf Lager, über das sie mit mir sprechen wollten. Über das „96-Schwein“, welches am Vorabend „durch Hannover irrte“, die gelben Holzkreuze mit der Aufschrift "BTSV", die vor zwei Tagen an sämtlichen Zufahrtswegen gen BS standen, Farbbeutelschmierereien in beiden Städten. Und das Spiel des Jahres, das Derby welches die Presse als „brisanter als BVB gegen S04“ einstufte. Meine Kollegen waren der festen Überzeugung, dass ich Montag nicht im Büro auftauchen werde, weil ich mich entweder im Krankenhaus oder Polizeigewahrsam befinden würde ;-) Die 6h zogen sich wie Kaugummi und die Elche zählten per WhatsApp die jeweiligen Minuten bis zum Feierabend und versuchten sich mit Videos, Bildern und Songtexten auf den Abend einzustimmen.

Kurz nach 16 Uhr fuhren Micha und ich mit der Bahn in Richtung Bahnhof um uns dort mit den anderen Elchen auf ein Bierchen zu treffen und sich anschließend gemeinsam auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Überall im Bahnhofsumfeld sah man neben jeder Menge Cops nur schwarzgekleidete Fußballfans, viele davon mit den Derby-Jacken, von denen die Elche leider viel zu spät erfahren haben. Nur schwer erspähte man in dieser Menge bekannte Gesichter, als dies endlich gelang begrüßte man sich gegenseitig und bahnte sich den Weg zu den Gleisen. Im Sonderzug waren schon viele Plätze besetzt und so okkupierten wir zwei Abteile der 1.Klasse und machten es uns gemütlich. Muckelig warm war es hier und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug startete und durch die offenen Fenster kühle Luft hinein gelang. Auf der Fahrt wurden Anekdoten der letzten Derbys zum Besten gegeben und die Biervorräte geleert, durch die gezogene Notbremse kurz vor Einfahrt am Bahnhof Hannoi/Linden waren diese schon vor Ankunft nicht mehr vorhanden. Als der Zug dann im Bahnhof stoppte mussten einige nochmal Pipi machen und die Ordner stressten schon, dass wir die Abteile verlassen müssen. Es staute sich natürlich trotzdem vor den Türen und man versuchte beim Verlassen des Zuges beieinander zu bleiben, was auch ganz gut gelang. Als sich unser Weg zum Stadion mit dem Weg der BossHoss-Anhänger kreuzte, standen einige Bierbuden bereit und entgegen im Vorfeld getätigter Aussagen wurde hier Bier mit Umdrehungen verkauft. Also fix mit Dosenbier eingedeckt und beschlossen in Reichweite der kühlen Gerstensäfte zu bleiben. Leider waren die Dosen schneller ausverkauft, als wir gucken konnten und so standen wir doch bereits eine Stunde vor Anpfiff vorm Gästeblock. Doch hier passierte nix, wir standen und standen und kamen keinen Zentimeter nach vorne. Micha drückte mir plötzlich sein fast leeres Dosenbier in die Hand, ging ein paar Schritte zurück und wählte den Weg vorbei an einem Bauzaun - ich stand völlig perplex dort und musste erst einmal kapieren, was er vorhatte. Nachdem sein Versuch vielversprechend aussah, versuchten auch Pauli und ich diesen Weg zu nehmen. Kaum war ich hinter dem weißen Bauzaun verschwunden, waren die Braunschweiger nicht mehr zu halten. Es wurde nach vorne gedrückt, Absperrgitter umgeworfen und ich suchte mir einen Weg über die umgekippten Gitter ohne zu stürzen. Ohne Einlasskontrolle fand ich mich wenige Minuten später im Stadion wieder, allerdings auch ohne jeglichen Handyempfang. So blieb mir nichts anderes übrig als mich auf die Suche nach bekannten Gesichtern zu machen. Der Block wurde immer voller, da erkannte ich Uwe und Bock und verschaffte mir gemeinsam mit den beiden einen Weg in den Block. Zum ersten Mal in dieser Saison hatte ich Sicht auf das gesamte Spielfeld! Bis zum Anpfiff kehrte der Handyempfang kurzzeitig zurück und ich erfuhr, dass Micha in der dritten Reihe von oben stehen würde, also verabschiedete ich mich von der Society und begab mich zur dritten Reihe. Anstelle von Micha fand ich hier jedoch „nur“ Effi und wir konnten Micha und die anderen weit und breit nicht sehen.( Mein Fehler bei der Suche war, dass ich im falschen Block gesucht habe, wie sich später herausstellte…) Bevor ich hier alleine das Spiel verfolgen musste, ging es für mich zurück zu Uwe & Co, auf meinem Weg begleitete mich Frau Fröhlich. Da sie sich nicht zu ihren Leuten durchdrängeln wollte, verfolgten wir gemeinsam die erste Halbzeit.

Die Braunschweiger mussten aufgrund der verletzten Kratz, Bellarabi und Reichel mit veränderter Startelf auf den Platz. Das Spiel begann und die Hannos zeigten eine zugegebenermaßen ordentliche Choreo aus vielen farbigen Plastikfähnchen und später große Blockfahnen, das muss man einfach mal ehrlich anerkennen. Dazu ein bisschen Pyro, wie auf unserer Seite ebenfalls zu Beginn. Aber wieder waren Vollpfosten dabei, die das Zeug auf dem Spielfeld entsorgten, das geht natürlich mal gar nicht!!! Während der folgenden 90 Minuten wurden immer wieder einzelne Bengalos in der Heimkurve gezündet, im Gesamtbild wäre die Menge der vorhandenen Bengalos sicher in zwei oder drei Zügen gemeinsam besser angekommen. Dazu ein einzelner Blinker, der auf Dauer ganz schön nervte. Der Abschaum wollte von Beginn an zeigen, wer hier der Herr im Hause sei, aber kam trotz einiger Chancen nicht zum erfolgreichen Abschluss. Eintracht setzte auf gute Abwehrarbeit und versuchte zu kontern. Leider blieben auch diese Versuche erfolglos. Torlos ging es in die Halbzeitpause.

Zur Halbzeit meinte Uwe, dass wir zusammen stehen bleiben müssen, denn das hat ja in WOB auch schon Glück gebracht. Also in der Halbzeitpause Nadi begrüßt, kurz unterhalten und zurück an den Platz der ersten Halbzeit. Ich wollte mir schließlich nicht im Nachhinein vorwerfen lassen, dass ich Schuld an einem möglichen Misserfolg wäre. Die zweite Hälfte ging weiter wie die erste: Beide Teams kämpften, aber es reichte nicht für ein Tor. Die Hannos zündelten weiter vor sich hin und Uwe verlangte immer energischer vom Schiri, das Spiel doch endlich wegen der Deppen abzubrechen und für uns zu werten. Von unseren eigenen Pyroeinlagen bekamen wir an unserem Platz gar nicht so viel mit. Die letzten 15 Minuten konnte ich kaum noch zum Spielfeld sehen, zu groß war die Gefahr hier doch noch die Punkte liegen zu lassen. Doch unserem Abwehrbollwerk und einem guten Auftritt von Davari haben wir es zu verdanken, dass wir einen weiteren Punkt auf dem Weg zum Klassenerhalt einheimsen konnten und uns auch weiterhin amtierender Derbysieger nennen dürfen ;-) Und so wurde die Mannschaft ordentlich gefeiert während die Einheimischen nur Pfiffe für ihre Truppe übrig hatten.

Wie verließen den Block nach allen anderen und wollten uns ein wenig von den Cops absetzen, um noch Bier für die anstehende Rückreise zu besorgen um die geschundenen Kehlen zu befeuchten, welche die letzten 90 Minuten alles gegeben haben. Weit absetzen war aber gar nicht möglich, der Mob bewegte sich nicht allzu schnell fort und so liefen wir hinter dem Wasserwerfer, obwohl „laufen“ weit übertrieben ist und markierten dabei unser Revier ;-) Dosenbier wurde an den bekannten Ständen während des Spieles leider nicht nachgefüllt und so blieb uns nur übrig becherweise Herrenhäuser zu besorgen. Immer wieder schlenderten andere Fans mit einheimischen Dosenbieren an uns vorbei, aber wir bekamen nicht heraus, woher sie dieses hatten. Währenddessen fragten Dave und Fabi immer wieder an, um welche Uhrzeit der Sonderzug geplant abfahren würde, sie hätten noch ne Kiste Bier besorgt. Als wir das Gleis mit dem bereitgestellten Sonderzug erreichten, war dieser größtenteils schon gefüllt. Dennoch konnten wir Sitzplätze für unsere mittlerweile eher kleinere Gruppe finden. Doch es vergingen noch Ewigkeiten bis der Zug sich in Bewegung setzte. Die ersten Ansagen, die über den Lautsprecher kamen, wurden nicht vom Schaffner ausgelöst. Ein Fan hatte sich das Mikro ergriffen und versucht die wartenden Zugfahrer mit blöden Sprüchen oder Gesängen abzulenken. Irgendwann schaltete sich der richtige Schaffner dazu mit der Aussage, es würde nach Abfahrt des Sonderzuges eine S-Bahn kommen, die zum Hauptbahnhof fahren würde und man hätte jetzt noch die Option den Sonderzug zu verlassen und über den Hauptbahnhof die Rückreise anzutreten. Schlagartig war in unserem Abteil wieder jede Menge Platz! Trotzdem setzte sich der Zug nicht in Bewegung und mit vorangeschrittener Uhrzeit stiegen viele Leute wieder ein. Der Zug setzte sich dennoch kurz nach 0 Uhr in Bewegung, als noch einige Braunschweiger am Bahnhof standen. Bei Ankunft in BS wählten einige zuerst die Nahrungsaufnahme, bevor man wieder auf einige Bierchen zusammen kam um 10 Jahre Derbysieger zu feiern!

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