Gastbericht: Kölner Haie - Augsburger Panther 2:1 (0:0, 1:0, 1:1) 12.01.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Andere Sportarten
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

Liga: Deutsche Eishockey-Liga (DEL)
Stadion: LanxessArena Köln
Zuschauer: 13.246

Das alljährliche Haie-Heimspiel mit meinem Spezl Robert aus Frankfurt stand mal wieder an. Die Planungen hatte ich im Dezember innerhalb von 2 Stunden aufs Parkett gelegt, schaffte ich es doch, dank Sparpreisen, Frühbucher-Rabatten und HotDeals ICE-Zugfahrt BS-FFM-Kölle und zurück, Unterkunft im 4-Sterne-Hotel und Eintrittskarten für insgesamt 100 Euro pro Person zu schiessen. Kann man mal machen.
Samstag um kurz nach 7 saß ich im Zug gen Mainhattan, wo ich Robert keine 3 Stunden später zum Frühstück bei Gosch traf, kurz darauf gings weiter in die Domstadt. Ja, Robert ist alt genug und hätte die Strecke auch alleine geschafft, man mag es aber kaum glauben, die gewählte Strecke war für mich 20 Euro günstiger und dauerte lediglich 18 Minuten länger als der direkte Weg. Bahn halt. Außerdem hätte ich auf dem Rückweg in Hannoi vom IC in den RE umsteigen müssen und wäre trotz früherer Abfahrt in Cologne später in BS gewesen. Dass das am Ende eventuell die bessere Entscheidung gewesen wäre, werde ich gegen Ende erläutern…

In Köln angekommen, fuhren wir mit Kölsch bewaffnet direkt rüber auf die Schäl Sick, wo in der Kölnarena2 für 11.45 Uhr ein Haie-Training angesetzt war. Aus der Sportsbar kann man dieses bei lecker Kölsch gemütlich beobachten, danach verlegten wir unseren Standort auf den Parkplatz, wo wir auf die Spieler warteten. Ich wollte mein Trikot mit Autogrammen veredeln lassen und spekulierte heimlich auf Fotos mit den 4 Legenden des Teams. Und siehe da, Haie-Coach und Deutschlands Eishockey-Gallionsfigur Nummer 1, Uwe Krupp (gebürtiger Kölner, Stanley-Cup-Sieger und 729 NHL-Spiele) Mirko Lüdemann, Moritz Müller (zusammen 1625 DEL-Spiele - ausnahmslos für die Haie) und Captain Mr. John Tripp (coolste Sau und gefürchtetster Faustkämpfer der Liga) ließen sich bereitwillig mit mir ablichten. Wobei insbesondere Moritz Müller unter Beweis stellte dass es beim Eishockey etwas familiärer zugeht als beim Fussball. Als nämlich alle Spieler außer er schon weg waren, schrieben ihm 2 Mädels (Danke nochmal für die Edding-Leihgabe!) die neben uns ebenfalls warteten spaßeshalber per facebook “Mo, wo steckst du? Wird langsam kalt hier in Deutz! Zwinkernd “ und erhielten prompt Antwort. “Sorry, hab noch ein Interview in der Sportsbar, dauert noch ein paar Minuten!” Da Robert und ich eh langsam wieder Durst bekamen, gings wieder zurück in besagte Bar, wo Mo sich nach dem Interview noch 10 Minuten Zeit für uns nahm.
Nach diesem Programmpunkt bezogen wir unser Hotel und läuteten langsam den Abend ein, HardRockCafe, Gaffel am Zims, Lommerzheim(dafür lohnt sich die Reise nach Köln schon alleine, Kultkneipe schlechthin), Hohenzollernbrücke und diverse Kioske zwischen Dom und Innerer Kanalstraße hießen die restlichen Ziele.

Hohenzollernbrücke Köln

Am nächsten Morgen wurde mal wieder bei Gosch im Bahnhof gefrühstückt, anschließend wurde der GameDay gestartet, “früh am Dom” - wo sonst? Als um Punkt 12 bereits 14 Kölsch auf dem Deckel standen, gings wieder über den Rhein und nach einer Fahrt auf die Kölntriangel mit bester Aussicht auf die Stadt bei bestem Wetter konnte das Spiel im Prinzip beginnen. Geniale Plätze, geniales Kölsch (netterweise wird im Gegensatz zu den Etablissements in der City das Gaffel hier in Halbliter-Hobeln ausgeschenkt, erspart ja doch den einen oder anderen Weg).
Wie auch immer, das Pre-Game-Spektakel ist beim Eishockey ja immer etwas ausufernder als beim Fussball, mag gewiss auch nicht jedermanns Sache sein, speziell beim KEC ist es aber schon ziemlich geil. Zunächst sorgt eine Lichtshow dafür dass es so aussieht als würden Weiße Haie unter dem Eis ihre Runden drehen, danach gibt’s beim Intro-Video auf der Leinwand und auf dem Eis ordentlich Volbeat auf Ohren. http://www.youtube.com/watch?v=JE7lv3BETj8
Der Sportsfreund der anfangs seine Kraftübungen macht und ab 0:50 freundlich und mit leicht unvollständiger Zahnreihe in die Kamera schaut ist übrigens bereits erwähnter John Tripp ;-)

Die Haie begannen ordentlich, die Defensive stand zudem sehr sicher, lediglich mit dem Toreschiessen tat man sich schwer obwohl genug Chancen u.a. durch Lüdemann, Riefers und Kranjc da waren. Da Augsburg aber nicht ins offene Messer laufen wollte passierte bis auf eine ansehnliche Auseinandersetzung zwischen Falk und Connolly, welche ersterer mit einem gekonnten Schulterwurf für sich entschied, nicht viel. Nach 12 Minuten die klarste Chance durch Gogulla, er verfehlte das AEV-Gehäuse jedoch knapp. Danach kam Augsburg, begleitet von ca 50 mitgereisten Fans, besser ins Spiel, scheiterte aber zwei mal am gut aufgelegten Goalie Aus den Birken. Somit gings mit einer Nullnummer in die erste Pause.

Der Mittelabschnitt begann mit einem Paukenschlag. Keine 20 Sekunden nach Wiederbeginn fasste sich Alex Weiß ein Herz und hämmerte die Scheibe von der blauen Linie unter die Latte. Köln auch in der Folge näher am zweiten Tor als der Gast am Ersten, aber zwingendes kam leider nicht zustande. Ärgerlich - rächt sich so was doch meistens. Aber immer noch war auf die Defensive trotz des nach einem Kopfstoß im letzten rheinischen Derby für 6 Spiele gesperrte Moritz Müller Verlass.

Mit dem Schlußdrittel begann die stärkste Phase der Gäste, das zahlte sich aus. Nach einer unübersichtlichen Situation vor dem Haie-Tor kommt Bayda an den Puck und vollendet zum Ausgleich(43.). Die Haie, mit dem Selbstbewusstsein eines Spitzenreiters, starteten nun wütende Angriffe um den Schwaben gar nicht erst das Gefühl zu geben, dass hier mehr zu holen ist. Diese wiederum schienen wildentschlossen nun hinten dicht zu halten und mit vereinzelten Nadelstichen doch zum unerwarteten Erfolg zu kommen. Dieses gelang eigentlich bis auf den Erfolg ganz gut. Genau in dem Moment wo ich dachte, das Ding wird hier nur durch nen Glücksding entschieden, kam es genau so. Trainersohn Björn Krupp schoss von halbrechts gar nicht mal so scharf aufs AEV-Tor, lustigerweise stand er dabei exakt in der Luftlinie zwischen mir und dem linken Eck des Tores so dass ich genau beobachten konnte, wie sich der Puck relativ langsam aber doch bestimmt den Weg an Freund und Feind vorbei ins Netz suchte. 2-1 und kollektives Durchdrehen in der ordentlich gefüllten KölnArena (48.) Kurz darauf hatte Augsburg noch zwei Chancen, danach zogen die Haie ein absolutes souveränes und sehenswertes Katz- und Maus-Spiel auf. Man spielte die Gäste im wahrsten Sinne des Wortes müde, so dass sogar nach Abschlüssen sofort der Rebound geholt werden konnte. Die Panther hatten gar nicht die Chance mit der Herausnahme des Keepers noch mal eine Überzahlsituation zu kreieren, einfach weil sie ab Minute 56 gar nicht mehr an den Puck kamen. Beeindruckend, obwohl für einen neutralen Beobachter am Ende so natürlich etwas an Spannung fehlen würde. Mir war es egal, 2-1-Sieg und den Platz an der Sonne verteidigt!  Hmm, doofe Geschichte, war ich die letzten Jahre immer froh, dass der KEC dank Play-Offs auch als 6. oder 7. nach der Hauptrunde immer noch am Geschehen teilnehmen kann, wäre ich dieses Jahr über ein Saisonende nach 52 Spieltagen nicht ansatzweise traurig, zumindest wenn es in den restlichen Spielen so weitergehen würde. So liegt die Befürchtung nahe, dass die Adler aus Mannheim oder aber auf jeden Fall die Berliner Eisbären pünktlich zu den K-O-Spielen mal wieder topfit sind und eine absolut durchwachsene Serie doch noch krönen…schaun mer mal. Nächste Woche seh ich zumindest schon mal die Hamburg Freezers live gegen Straubing und kann mir da ja schon mal ein gutes Bild vom aktuell härtesten Konkurrenten machen.

Wir verließen die Arena, deckten uns am Bahnhof Deutz mit Kölsch ein, überquerten zum 7. und letzten Mal an diesem Wochenende Gevatter Rhein und ließen das Wochenende im Gaffel am Dom bei Spanferkelhaxen gemütlich ausklingen.
So dachte ich jedenfalls. Wir stiegen in den Zug, waren nach einer guten Stunde, bzw. 10 Runden Stadt-Land-Fussball in Frankfurt und tranken unser Abschlussbier.
Ich enterte danach das Bordbistro meines ICEs, holte mir ein allerletztes Bier und setzte mich auf meinen Platz den ich planmäßig um kurz vor Mitternacht bei der Einfahrt in den Braunschweiger Bahnhof verlassen sollte. Soweit die Theorie.
Nach gefühlten 15 Minuten Fahrt klingelte mein Handy-Wecker, ich öffnete meine Augen, sah vor mir ein halbvolles Bier, der Zug wurde langsamer und langsamer und ich dachte mir, “super, das ging ja fix rum!” Ich trank mein Bier aus, stellte mich an die Tür, als der Zug anhielt, öffnete ich diese und guckte direkt auf ein blaues Schild am Bahnsteig. Auf diesem standen genau 2 Worte. BERLIN OSTBAHNHOF. Ich guckte ungläubig auf mein Handy und stellte geschockt fest, dass es sich beim Klingeln nicht um meinen Wecker, sondern um den inzwischen 5. Anruf meiner besseren Hälfte handelte die seit gut 90 Minuten auf mich wartete.

Ich hätte kotzen können. Durfte ich aber nicht. Da ich noch exakt 3% Akku auf dem Handy hatte, hatte ich ja schnell zuhause anzurufen, um zumindest noch schnell kundzutun, dass ich immerhin noch lebe. Ich konnte ja noch nicht mal diplomatisch darauf hinarbeiten, schonend die Wahrheit ans Licht zu bringen, da die Verbindung ja jederzeit weg sein konnte. Da stand ich nun. 1.30 Uhr nachts, halb besoffen, Haie-Trikot an, 20 Euro in der Tasche, Handy aus. Exakt 232 km entfernt von der Heimat. Und das Wissen am nächsten Tag arbeiten zu müssen. Leider nicht in Berlin. Nach BS fuhr kein Zug mehr, wer weiß wofür es gut war, kann mir ja keiner garantieren, dass ich nicht wieder einpenne und da ist es von Berlin dann doch kürzer nach BS als, sagen wir mal, von Basel aus…
Ich trottete restlos bedient in die Schalterhalle des Ostbahnhofs und wurde von einer mehr als unfreundlichen Bahnmitarbeiterin (falls sie das hier lesen sollte…was zum Henker kann ich dafür, dass ich das ganze Wochenende saufen durfte während du nachts kurz vor Polen zwischen Junkies und Pennern arbeiten musst??) gen InterCityHotel verwiesen wo ich für schmale 54 Euro eine Unterkunft bekam. 10 Minuten später lag ich ihm Bett, lud das Handy auf und….lachte mich kaputt. Mir war klar, dass ich diese Tour durch diese Aktion niemals wieder vergessen werde. Und machen wir uns nichts vor, die Touren die man nie wieder vergisst, sind immer die geilsten Cool. Ich rief erneut zu hause an um Entwarnung zu geben, dass ich nicht auf dem Bahnsteig oder in der Bahnhofsmission übernachten muss, ließ dann noch schnell Uwe und Micha per SMS an meinen Erlebnissen teilhaben und fand kurz darauf den Schlaf der Gerechten. Um 7.20 Uhr klingelte der Wecker (ja, er wars diesmal wirklich!), eine Stunde später saß ich nach der erneuten Investition von 58 Euro im ICE und war um 9.50 Uhr da, wo ich auf die Minute genau 10 Stunden vorher mit 112 Euro mehr im Kreditkartenrahmen schon mal war. Als der ICE den Bahnhof wieder verliess, war ich diesmal aber auf der richtigen Seite der Zugtür….Und denken wir an den Beginn des Berichts zurück, wäre die Route mit IC+RE mit Endstation BS doch die kürzere und günstigere Variante gewesen ;-)

Kölner Haie

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Kommentare (1)
Daumen hoch!
1 Freitag, den 24. Januar 2014 um 09:30 Uhr
Pauli
Immer wieder herrlich deine Berichte!

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