Gastbericht: Fortuna Düsseldorf - Eintracht Braunschweig 2:2 (1:0) 01.08.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 14/15
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

2. Bundesliga
Stadion: espritArena
Zuschauer: ca. 41.667

Da waren wir also wieder. Nach dem zwar erwarteten, letztendlich aber durchaus knappen und damit enttäuschenden Abstieg gings zurück ins Unterhaus.

Die DFL meinte es aber gut mit uns, mit Düsseldorf auswärts startete die Saison bei einem Gegner, der sowohl über ordentlich Bundesliga-Historie als auch über eine dieser neuen herzlosen Betonarenen verfügt so dass uns die Umgewöhnung nicht allzu schwer fiel, zum anderen bekam man nicht gleich die Montag-zwanzigfünfzehn-Peitsche, sondern durfte Freitags abends in der Rheinmetropole ran. Das spielte mir perfekt in die Karten, hatten Bibi und ich doch noch Urlaub und so buchten wir das Wochenende in NRW.

Das Basiscamp wurde bereits am Donnerstag logischerweise in Kölle aufgeschlagen wo wir in den berüchtigten Kölschkneipen unsere Flitterwochen ausklingen liessen und ich endlich mal die Dombesteigung durchziehen konnte die schon seit gefühlten Ewigkeiten auf meiner Agenda stand.

Freitag morgen gings nach kurzem Frühstück in der Domstadt und dem Kauf von Verpflegung (aufgrund der Uhrzeit sehr zum Unmut von Bibi – den Kommentar „schnell das letzte Kölsch bevor es Alt wird!“ konnte ich mir nicht verkneifen) gen Landeshauptstadt wo wir uns nach dem Mittagessen mit Effi, Aehle und Bina in der Altstadt trafen. Was anfangs mit mehreren Alt lustig begann, hätte fast eine dramatische Wendung genommen. Es ist immer amüsant zu sehen, wie DFL und Polizei penibel genau darauf achten, dass keine rivalisierenden Szenen aufeinander treffen um dann festzustellen, dass alles für die Katz war, weil der FC Schalke am Folgetag ein Freundschaftsturnier ausrichtet bei dem mit Newcastle und Westham zwei englische Teams antreten. Da die deutschen Bierpreise für Engländer immer noch paradiesisch sind, war abzusehen, dass die Gruppen bereits einen Tag vorher anreisen und, da Gelsenkirchen ja nun nicht als Partyhochburg Deutschlands gilt, den Freitag in der 60km entfernten Düsseldorfer Altstadt verbringen. Zunächst wollte nur ein Westham-Anhänger seine Fahne am Sonnenschirm einer benachbarten Lokalität anbringen, bis plötzlich aus dem Nichts ein Aschenbecher flog und einen Briten über dem Auge traf. Neben Blut und einer cirka 10sekündigen Wichserei 20 Meter von uns entfernt war dann auch Pfefferspray der schnell reagierenden Ordnungshüter zu sehen, welches uns auch 20 Minuten später noch zu schaffen machte. Für die regelmäßigen Stadionbesucher unter uns willkommene Action, für Bibi dann doch etwas ungewohnt…wir tranken noch zwei Alt und fuhren dann gen Messegelände.

Bibi und ich hatten unsere Plätze auf der Gegengerade und durften von da aus die offizielle Saisoneröffnungsfeier der DFL begutachten, die beim doch eher tradtionell angehauchten Publikum diesen Abend eher wenig Emotionen hervorrief, lediglich als allen teilnehmenden Teams per eigenem Banner gehuldigt wurde und da zwangsläufig auch RB Leipzig nicht fehlen durfte, war ein gellendes Pfeifkonzert zu vernehmen. Zum Einlaufen der Protagonisten des heutigen Abends hielt sich Fortuna bis auf Anti-RB-Spruchbänder zurück, unsere Kurve präsentierte neben ebenfalls deutlichen Missfallensäußerungen zum sächsisch-österreichischen Liganeuling ein Meer an Schwenkfahnen und ein blau-gelbes Banner mit der Aufschrift „Egal wohin der Wind auch weht, ihr wisst wer immer zu euch steht!“ Dieses hing über die gesamte Spielzeit und hatte daher was!

Auch wenn die Eintracht für einen Bundesliga-Abstieg relativ wenig Fluktuation zu verzeichnen hatte, mussten doch drei Schlüsselpositionen neu besetzt werden. Die Abgänge von Gaolgetter Kumbela und Abwehrchef Eisen-Ermin Bicakcic wiegten da natürlich um Längen schwerer als jener von Schlussmann Davari, dennoch war es doch spannend ob man hier nicht eventuell vom Regen in die Traufe kam, Rafal Gikiewicz war mit seinen 26 Lenzen nicht mehr der Jüngste und hatte im letzten halben Jahr kein Pflichtspiel bestritten, was Insider-Infos zufolge aber weniger an den Leistungen sondern vielmehr an Meinungsverschiedenheiten mit dem Ältestenrat seines bisherigen Teams zusammenhing. Man durfte also gespannt sein, wen Chefcoach Lieberknecht zwischen die Pfosten beorderte, bis zuletzt wurde da ein Staatsgeheimnis draus gemacht. Einfacher war es auf den anderen beiden Positionen. Aufgrund der Verletzung von Neuzugang Decarli bildeten mit Dogan und Correia zwei Alteingesessene die Innenverteidigung, vorne drin nahm Capitano Kruppke Anlauf um seine Seuchen-Saison in Liga 1 vergessen zu machen.

Lange Rede – kurzer Sinn: Der Neuzugang aus Polen war trotz Rückennummer 33 die neue Nummer 1. Und der führte sich gleich sensationell ein. Nach einem Pass in die Spitze fand sich F95-Angreifer Hoffer vor Gikiewicz wieder, dieser warf sich aber wie ein Bekloppter in den Schuss. Zwar entschied der Mann an der Linie schon vorher auf Abseits, es wurde aber deutlich, dass Rafal trotzdem zeigen wollte, dass der Strafraum sein Hoheitsgebiet ist. Man soll nicht nachtreten, aber Davari hätte bewegungslos auf der Linie gestanden um Hoffer zu zeigen „Komm Junge, nächstes Mal bleibt die Fahne unten und dann schiebste den einfach unten links rein.“…12 Minuten später strittige Situation auf der anderen Seite, der in Augen des Braunschweiger Anhangs fällige Elfmeterpfiff blieb aber aus. Nach 34 Minuten dann aber die Führung für die Gastgeber. Liendl zieht aus 17 Metern einfach mal ab und trifft genau in den Winkel.

Fortuna eroberte sich jetzt ein Übergewicht im Mitelfeld und war dem 2-0 recht nah, hatte aber nicht auf der Rechnung, dass wir neuerdings einen Keeper im Tor haben. Nach einer Ecke bringt Bodzek das Spielgerät aus 2 Metern aufs Tor, Gikiwicz kriegt mit einem Wahnsinnsreflex einen Arm hoch und sorgt dafür dass man mit einem gerechten 1-0 in die Kabinen ging.

Mit Beginn der zweiten Hälfte übernahm der BTSV das Zepter und wurde umgehend belohnt. Eine Flanke von rechts verwertet Ken Reichel direkt zum Ausgleich. Der währte aber nicht lange, mit dem nächsten Angriff der Fortuna schloss Benshop einen mustergültigen Konter zum 2-1 ab.

4 Minuten später wieder der Elfmeterschrei auf den Lippen des Auswärtspöbels, wieder blieb die Pfeife stumm, was ist hier los?? Der eingewechselte Neuzugang Bakenga wurde doch von Keeper Rensing von den Beinen geholt! Die Eintracht ließ sich davon aber nicht beeindrucken und durfte in Minute 84 wieder jubeln. Nach toller Vorarbeit wurschtelt sich Nielsen durch 3 Leute durch und befördert den Ball mit mehr Willenskraft als Können über die Linie.

Das war es dann auch und mit einer absoluten gerechten Punkteteilung verliessen die Protagonisten den Rasen.

Da wir im neutralen Bereich saßen und kein Durchkommen zum Gästeblock war, verliessen wir nach 5-minütiger Fachsimpelei mit meinem Düsseldorfer Nebenmann die Arena und machten uns auf den Rückweg nach Köln, was wunderbar klappte und wir um 1 Uhr im Hotel waren, wo der Abend jetzt wieder mit vernünftigen Getränken abgerundet wurde.

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