Gastbericht: FC Ingolstadt - Eintracht Braunschweig 1:0 (0:0) 05.10.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 14/15
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

2. Bundesliga
Stadion: AUDI-Sportpark
Zuschauer: ca. 7.750

Anfang Oktober – Wiesn-Zeit. Pustekuchen. Da wir nur für den Sonntag Plätze im Zelt hatten und ich für Montag keinen Urlaub bekam, machte ein Besuch des Oktoberfestes für mich absolut keinen Sinn. Bibi wiederum hatte 2 Wochen Urlaub durchgewunken bekommen und war dementsprechend gewillt, den Platz im Festzelt zu besetzen.

Ich reiste zwar mit, hatte für Sonntag aber o.a. alternatives Programm. Samstag morgen um 5 Uhr ging es los, nach insgesamt 5 Stunden 4 Minuten reiner Fahrzeit erreichen wir die bayerische Landeshauptstadt wo zunächst das Kreuz „Sportpark Heimstetten“ gemacht werden sollte, wo die U19 des FC Bayern den VfB Stuttgart empfing, ich von Eistee auf Augustiner Hell umstieg und meiner Frau feierlich den Autoschlüssel übergab.

Anschließend ging es zu Kießlings nach Gröbenzell wo der Rest des Tages verbracht wurde.

Sonntag brach ich nach einer Halbzeit beim alljährlichen Pflichtbesuch bei der 3. Herren des 1. SC Gröbenzell gegen 12 Uhr auf gen Ingolstadt. Zu spät wie sich herausstellte, ich hatte die Rechnung ohne den Rückreiseverkehr nach dem langen Wiesn-Wochenende gemacht. Knapp 2 Stunden dauerte die eigentlich nur 45minütige Fahrt, bis ich letztendlich 15 Minuten nach Anpfiff den Parkplatz erreichte.

10 Minuten später erreichte ich den Eingang, wo deutlich wurde dass die Rennerei völlig für die Katz war. Der Ordner ließ sich nämlich alle Zeit der Welt beim Abtasten um mich letzlich dazu aufzufordern alle Taschen zu leeren. Aufgrund von fehlendem Alkoholpegel ließ ich das auch noch über mich ergehen, bis er dann nach einem Blick in die Zigarettenschachtel feiernd in die Runde der anderen Ordner blickte und belustigt rief „hehe, guckt mal, mit einer einzigen Kippe kommt der hier ins Stadion!“ Da reichte es auch mir dann. Nach meinem „Pass mal auf du Pappnase, ich habe grad von München hierher 16 Kilometer im Stau gestanden, wenn ich in eurem Kaff auch noch ne Tanke gesucht hätte, hätte ich danach auch gleich weiter heim fahren können, aber ich will das Spiel sehen und das ist wichtiger als die Kippe!“ ließ er mich dann überraschend schnell passieren. Bier (natürlich bleifrei, was mir heute als Fahrer aber eh nichts ausmachte) geholt und ab in den Block, in dem ich vor 17 Monaten das Größte erlebt habe, was man im Fussball erleben kann. Ich konnte grad noch sehen wie Boland allein auf den Ingolstädter Keeper zulief. Wie das Ding letztendlich dann nicht den Weg über die Linie zwischen den Pfosten fand, muss ich mir nochmal in Ruhe im TV angucken. Unfassbar. Im Großen und Ganzen war es aber nicht so verkehrt was ich die letzten 10 Minuten der Halbzeit von blau-gelb sah und somit ging ich mit einem recht guten Gefühl nach dem Pausenpfiff wieder runter wo ich mich mit Böckchen und Basti traf.

Nach kurzem Bericht beider Seiten über das bisher verlebte Wochenende wollten wir grade wieder hoch da ertönte auch schon die Tormusik. Kann doch nicht sein. 1-0 Ingolstadt, das damit in der Blitztabelle Platz 1 erobert hatte. Da (bis auf Düsseldorf) die Auswärtsspiele der Saison nicht die Hoffnung schürten dass man hier noch groß was drehen würde, holte man sich nun noch ganz in Ruhe ein Kaltgetränk bevor man sich zum Platz auf der Tribüne gesellte.

Zweite Hälfte von blau-gelb unter aller Sau, zwar gab es zwei Chancen, die aber mehr oder weniger kläglich vergeben wurden. Dazu kam ein Schiri der teilweise gegen uns entschied, obwohl der gegnerische Spieler vermutlich nur zu Boden ging um sich den Schuh zuzubinden. Wir drei beschränkten uns, auch aufgrund der recht mauen Stimmung (Ingolstadt sang zwischendurch „Braunschweig wir hören nichts“ – so schlimm war es dann nun auch nicht) in Erinnerungen zum letzten Gastspiel hier zu schwelgen. Und waren damit wohl nicht alleine, anders ist es kaum zu erklären, dass Totte nach 75 Minuten Aufstiegsheld Vrancic brachte, der ja nun bei aller Liebe nicht dafür bekannt ist, in ein Spiel nochmal richtig Feuer zu bringen. Doch tatsächlich gab es nochmal einen Freistoss für uns, den sich, wie konnte es anders sein, Damir zurecht legte. Und….Trommelwirbel…Geschichte wiederholt sich nicht, willkommen im Jahr 2014, der Ball ging 2 Meter am Tor vorbei.

Kurz danach war Ende und für mich begann eine kleine Odyssee. Die zunächst sogar gut begann. So schnell war ich nämlich noch nie von einem Stadionparkplatz weg. Okay, der FCI hatte immerhin 7000 Zuschauer unter dem Audi vorgelockt, außerdem kam ich ja vorhin als letzter und jetzt hatte dementsprechend die Pole Position vor der Ausfahrt. Aber 25 Minuten nach Abpfiff auf der Autobahn zu sein, ist dennoch top. Dann gings los. Die Fließgeschwindigkeit auf der A9 war nämlich nur ungleich schneller als auf dem Parkplatz. Die ersten Kilometer waren dementsprechend schleppend und der Verkehrsfunk auf Bayern 3 ließ die Laune nicht wirklich steigen. Grad als ich mir überlegte, erstmal in meinem Stammwirtshaus bei Touren mit Bibi in diese Richtung, im Gasthof Krone in Kinding lecker Fränkische Schäufele zu verspeisen und die mir im Stadion verwehrte Fahrerhalbe zu trinken, liefs plötzlich wieder, weswegen ich entschied, das zu nutzen und Meter zu machen. Arschlecken. 500 Meter nach der Ausfahrt stand ich wieder. Stop and Go über 5 Kilometer. Bei den 3 danach angefahrenen McD war eine Schlange fast bis draussen, weswegen ich schweren Herzens entschied bis zu Hause auszuhalten. Wenigstens ein Kaffee sollte es aber sein. Bei der ersten Tanke wo die Schlange halbwegs passabel war orderte ich einen, um dann zu erfahren, dass die Maschine gerade gereinigt wird und es 20 Minuten dauern könnte. Ich fuhr also ohne weiter und dachte mir immer wieder dass es den Deutschen so schlecht nicht gehen kann, wenn an einem ein Tag länger dauernden Wochenende von 82 Mio Deutschen gefühlt 80 Mio auf den Autobahnen von München/Österreich/Südtirol gen Norden unterwegs sind. Lange Rede, kurzer Rock – allein im Sendegebiet von Bayern 3 war inkl des Staus auf dem Weg nach Ingolstadt ingesamt 30km Stoßstangenkuscheln angesagt. Ich freute mich schon auf das Umschalten auf den erstbesten mitteldeutschen Sender und lag mit meinem Tipp auf 20 weitere Kilometer Stau nur knapp daneben. 16km warens zwischen Löbejün und Bernburg. Erster Gedanke war ein Hotelzimmer in Leipzig, mit Spätschicht am nächsten Tag ja durchaus machbar, ich bevorzugte dann aber die Karte/Kompass-Aktion auf einem finsteren Parkplatz, mit der ich mich vorbei am Stau gen Nord-Westen vorkämpfen wollte. Da von der A38 genauso viel Stau gemeldet wurde, entschied ich mich für die Schleichwege von Halle durch den Harz gen Goslar. Klappte perfekt. Zumindest bis ich im beschaulichen Wettin plötzlich am Ufer der Saale stand. Toller Atlas den ich da habe. Ich fand zwar noch den Kapitän der Fähre, der hatte aber bereits die Segel gestrichen und saß mit seinem wohlverdienten Feierabend-Pils in seinem Kabuff.

Also weiter über den Landweg. 3 Sackgassen und einem weiteren Fähranlegern weiter entschied ich mich dann für den unspektakulären aber sicheren, weil auch für Autos ausgeschilderten, Weg nach Könnern, von wo ich weiter nach Aschersleben und damit auf die B6N kam, die mir in dem Moment vorkam wie eine Oase voller Wolters Pils nach 1 Woche ohne Wasser. So lange wie es mir auch vorkam, ich brauchte von Halle nach Aschersleben 75 Minuten, also immer noch tausendmal besser als das Anstellen bei den 16 Kilometern. Eine Stunde später war ich nach insgesamt 9 Stunden Fahrzeit daheim und fiel mit einem mehr als verdienten halben Liter Hofbräu Oktoberfestbier auf die Couch wo ich mir die Bilder vom Oktoberfest anschaute die mir Bibi mit sicherlich besserer Laune, weil ohne Stau, ohne 1-0-Pleite und mir mehr Bier mit netten Menschen, geschickt hatte.

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