Gastbericht: FC Heidenheim - Eintracht Braunschweig 0:1 (0:0) 19.12.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 14/15
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

2. Bundesliga
Stadion: Voith-Arena
Zuschauer: 11.800

Eigentlich sollte ich es ja bleiben lassen. Meine Quote in der Ferne ist eine absolute Katastrophe. Der letzte von mir live im Stadion erlebte Auswärtssieg der Braunschweiger Eintracht datierte vom 26.04.13. Der Sieg war zwar der Hammer schlechthin, bescherte uns Damir Vrancic in Ingolstadt schließlich die Rückkehr ins Oberhaus, anschließend wurde ich vom Erfolg aber durch die Bank weg verschont. 20 Auswärtsspiele und 8656 km gingen ins Land, bei denen ich ganze 4 Punkte bejubeln(ja richtig, 2164 km pro Punkt) und ein Torverhältnis von 11:45 erleben durfte. Das Spiel in Heidenheim war aufgrund dieser unheimlichen Serie eigentlich schon ad acta gelegt, mit (wenn auch (hoffentlich) nicht ernst gemeinten) Drohungen aus Reihen der eigenen Fanszene im Fall einer Anreise ist nicht zu spaßen...

ja, es gab sogar Angebote, mir sämtliche während des Spiels getrunkenen Biere zu bezahlen, so ich sie denn nicht im Stadion sondern in einer sky-Kneipe trinken würde. Am Mittag des Spieltages rief mich mein Kollege Micha an und berichtete, dass im Büro ob des bevorstehenden Festes recht wenig los ist und man ohne Spätschicht klar käme. An dieser Stelle nochmal riesen Dank :-) Schweren Herzens (mir liegt das Wohl der Eintracht ja irgendwie am Herzen) entschied ich mich dann also doch zur Reise nach Heidenheim. Da ich mit der Toten Hose im Büro irgendwie schon gerechnet hatte, wurde Uwe bereits unter der Woche für den Fall der Fälle angespitzt, der hatte seine Reiseutensilien morgens bereits mit zur Arbeit genommen, reservierte fix ein Hotel in HDH und wurde von mir High noon an der Kurt-Schumacher-Straße abgeholt.

Und siehe da, selbst die so hochgelobte höhere Gewalt wollte mich am Spielbesuch hindern, anders ist nicht zu erklären dass sich Höhe Göttingen auf einen Freitag mittag ein Gefahrgut-LKW lang macht. Glück im Unglück: wir erfuhren davon noch in BS, so dass die etwas unkonventionelle Route über den Harz gewählt wurde. Hier tuckerte man bei strömendem Regen teilweise mit 20 km/h hinter den LKWs her. Die Laune wurde lediglich damit oben gehalten, indem man sich den Gottvater aller Konfirmandenblasen Marci im Auto des Vulkans von Wolfenbüttel vorstellte. Letzterer hat eventuell auf gleicher Route nach 20km hinter einem LKW endlich überholen können, und 10 Sekunden später meldet Marci Bedarf an Pinkelpause, die einen dann wieder hinter den Truck verfrachtet. Wir konnten/wollten näheres leider nicht klären, unser Trip nach Heidenheim sollte schließlich eine Überraschung sein. Über Harz, Nordhausen, Erfurt, Schweinfurt erreichten wir dann die A7 und schafften es dann tatsächlich rechtzeitig ans Ziel. Allerdings wäre ein Stop am Hotel zeitlich nicht mehr drin gewesen, so dass ein Wohngebiet in Stadionnähe anvisiert wurde. Da ich ab Abstellen des Motors auf Fussball-Modus umschalten wollte, wäre Stadionparkplatz doof gewesen, Auto sollte ja über Nacht sicher stehen. Die Freude über den Parkplatz währte nicht lange, Uwe wollte nach vollzogener Einweisung in die Parkbucht schnell die Tür öffnen und haute sich deren Ecke direkt übers Auge, welches einen ordentlichen Cut zur Folge hatte. Hehe. Jeder kann was! Schnell die bei der einzigen Pause gekauften Kannen Holsten aufgerissen und fix zum Gästeblock.

Und siehe da, der Zeiger hatte keine Umdrehung hinter sich, und wir waren, sogar mit Fassbier bewaffnet, im Block. Verpassten allerdings die Intros auf beiden Seiten. Stimmung im Braunschweiger Block absolut in Ordnung, was aber auch mit der deutlich verbesserten Leistung des Teams im Vergleich zum Karlsruhe-Auftritt zusammenhing. Von Heidenheim kam bis auf einmal "Hier regiert der FCH" nichts bei uns an.

Einziger echter Höhepunkt in Hälfte 1 war ein Kopfball der Gastgeber ans Gehäuse und im Gegenzug eine tolle Kombination über Nielsen und Bakenga, die Zuck aber zu ungenau abschloss.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit traf man dann auf Hoppi´s Reisegruppe, die es fertig brachte ins falsche Heidenheim gefahren zu sein, und dadurch trotz 2 Stunden früherer Abfahrt nicht pünktlich vor Ort war. Immer noch besser als Böckchen. Seine Besatzung war zu diesem Zeitpunkt in Fulda gestrandet und trat den geordneten Rückzug richtung Bremen an.

Nach einer knappen Stunde brachte Lieberknecht den Koreaner Ryu, der sich prompt prächtig einführte. Einen langen Ball konnte der Heidenheimer Keeper nicht festhalten, Ryu staubte ab. 1-0 Eintracht. Krass. Sollte das hier heute für mich was werden?? Heidenheim suchte sein Heil in der Offensive und kam in der Schlussphase noch zu zwei Gelegenheiten, die Gikiewicz jedoch glänzend parierte. Danach war es dann soweit! Mein erster Auswärtssieg nach fast 20 Monaten! Ich konnte mein Glück kaum fassen, Erinnerungsbilder wurden geschossen und ich war endlich richtig zurück im Kreis meiner Jungs, die nun keinen Grund mehr hatten, mir weitere Auswärtsauftritte zu untersagen.

Danach suchten wir das Weite, wir holten unsere Klamotten aus dem Auto und gingen bei immernoch starkem Regen Richtung City. Eile war geboten, schließlich dürfen Tankstellen in BW nur bis 22 Uhr Bier verkaufen und wir waren für den Abend im Hotel noch nicht eingedeckt. An einer Straßenkreuzung stellte sich nun die Frage, in welcher Richtung die nächste Tanke ist. Bevor wir auf Spiele a la "Stein, Schere, Papier, Echse, Spock" zurückgreifen mussten, kam eine Type in unserem Alter vorbei der an und für sich vertrauenswürdig schien. Uwe fragte wo denn nun die nächste Tanke sei, ich hörte aus sicherer Entfernung nur die Gegenfrage "Seid ihr aus Braunschweig oder was?" und hatte umgehend ein doofes Gefühl in der Magengegend. Jetzt wurde es kurios. Zunächst bot er uns an, uns mit in eine Kneipe zu nehmen. Als wir dankend ablehnten, holte er sein Telefon raus. Er rief seine Freundin an und beorderte sie mit "ich bin hier mit zwei Freunden aus Braunschweig unterwegs, die müssen wir erst zur Tanke und dann zum Hotel bringen!" her. Wir hatten keine Ahnung was der Bengel, nennen wir ihn Hektor, mit uns vorhatte. Ganz geheuer war es uns aber nicht, so dass wir andeuteten, die Tanke alleine aufzusuchen. Er ließ sich aber partout nicht abschütteln und bestand darauf uns nach Hause bringen zu lassen...Was nu? Da am anderen Ende deutlich eine Frauenstimme zu vernehmen war, war zumindest schonmal klar, dass er da keine erebnisorientierten Kumpels am Hörer hatte. Wir gingen zu dritt um die Ecke und da stand auch schon seine Freundin Laura, die zwar alles andere begeistert war, sich aber trotzdem bereit erklärte uns gegen einen Obulus von 5 Euro, den Uwe mit einer List auf 4,50 Euro drückte, rumzubringen. Das war an sich auch schon wieder merkwürdig, es war nämlich deutlich zu erkennen, dass Laura nicht nur der deutlich hellere Teil der Beziehung war, sondern definitiv auch auch der, der die Hosen anhat. Da Laura äußerst vertrauenswürdig rüberkam, allerdings hatten wir das Thema ja auch 10 Minuten vorher schon, stiegen wir ein.

Im Auto wurde mir dann klar, dass ich dem bevorstehenden Fest nicht nur die Reise nach Heidenheim, sondern offenbar auch meine Gesundheit zu verdanken habe. Hektor haute nämlich folgendes raus: "Wisst ihr was, ich bin Ultra. Und Hooligan und so. Aber ich helfe euch trotzdem. Ist ja Weihnachten! Aber wenn ihr Aalener wärt, dann wäre es das jetzt für euch gewesen." Geile Nummer. An der Tanke holten wir dann Bier, welches wir im Auto aber aus unerklärlichen Gründen nur trinken durften, wenn wir langsam trinken. Hektor erzählte von seiner Sturm- und Drangzeit, wurde von seiner besseren Hälfte jedoch laufend unterbrochen, die ihn ermahnte, nicht so einen Blödsinn zu erzählen. Es wurde langsam alles etwas suspekt und wir waren heilfroh, als wir tatsächlich gesund (bis auf Uwe´s Cut), vollständig und mit allen Klamotten am nh-Hotel rausgelassen wurden.

In der Hotelbar gabs noch leckere Pizza und Bier vom Fass, anschließend genossen wir im Zimmer den Tages-Abschluss-Hobel und spannen Legenden um Hektor und seine Krawall-Vergangenheit. Ereignisreicher Tag.

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