Gastbericht: VfB Stuttgart II - Rot Weiß Erfurt 2:2 (1:2) 20.12.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 14/15
Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

3. Liga
Stadion: Mechatronic-Arena
Zuschauer: 636

Auf Frühstück wurde am nächsten Morgen verzichtet, wir hatten ja Termine. Als Guten-Morgen-Spaziergang diente der Aufstieg zum Stadion wo das Auto geholt wurde. Nach dem Kauf von einheimischen Bier fuhren wir durch die wunderschöne Ostalb nach Aspach, wo die Zweitvertretung des Stuttgarter VfB in der neuen Heimat der SG Sonnenhof Großaspach den FC Rot-Weiß Erfurt empfing. Reiner Zufall, dass das Ding heute fiel. Am letzten Wochenende vor Weihnachten sind ja nur noch die ersten 3 Ligen im Einsatz und da war nichts dabei, was groß interessieren würde. Ich hatte allerdings nicht auf dem Schirm, dass in Degerloch aktuell nicht gespielt wurde und stolperte nun über die zeitgleiche Ansetzung von VfB II und Kickers. Das musste geklärt werden.

 

Und siehe da: Während die Kickers nach Reutlingen verfrachtet wurden, trug VfB II seine Heimauftritte in der mechatronic-Arena in Aspach aus. Da Uwe auch noch nicht dort war lag das dann nahe, und Erfurt ist ja nun auch nicht so verkehrt. Knapp eine Stunde vor Beginn erreichten wir den idyllisch gelegenen Fautenhau wo direkt in die Hauptribüne die Fautenhau-Alm integriert wurde, aus der Horden von Rentnern, vermutlich Teilnehmer von diversen Kaffeefahrten, rausströmten. Sensationeller Schachzug des Veranstalters. Wenn Hansa zu Besuch ist, einfach mal raushauen "Pass auf, Omma, du kaufst jetzt die Gesichtscreme für 80 Euro, sonst mach ich das Tor zum Gästeblock auf!" Besagte Alm hatte auch einen Außenbereich, wo Glühwein, Wurst, Steak und weitere Köstlichkeiten angeboten wurden. Wir griffen zu und nahmen dann unsere 15 Euro teuren Plätze auf der Gegengerade ein. (@Teamchef, richtig gelesen, wir haben uns gegen die durchaus bestehende Option des Balkons der Fautenhau-Alm entschieden:-) ) Das Spiel begann auf tiefem Rasen unterhaltsam, beide Seiten wollten sich mit einem gelungenen Auftritt in die Winterpause verabschieden, optisches Übergewicht hatten aber die Gäste. Die Stuttgarter präsentierten in der Hintermannschaft einige Stockfehler und bereiteten so unfreiwillig einige Szenen für RWE vor. Okay, ist ja auch logisch, würde bei der Truppe einer rumlaufen der einigermaßen anständig gegen die Pille treten kann, wäre der aktuell eine Verstärkung für die Erste.

Nach 19 Minuten bringt ein Erfurter den Ball lang Richtung Tor, der Stuttgarter Keeper schaltet den Bruchteil der Sekunde später als der heranlaufende Stürmer und kann nur per Foul klären. Elfmeter. Jetzt wurde es auf den Rängen turbulent. Eine Gruppe von 5 mitgereisten Erfurtern hatte im Gegenzug zu den restlichen gut 250 Schlachtenbummlern die Gegengerade der Hintertortribüne vorgezogen. Einer der, ich schätze mal, Mitt-Fünfzigern forderte vehement Rot für den Stuttgarter Schlussmann. Vehement heißt hier, mit einer ekelhaften, schrillen, durch Mark und Bein dringenden Stimme. Auf thüringisch..."röööööööööd...dös wö röööööööööd!! RÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖD!" Das wiederum rief einen bis dahin teilnahmslos mit seinem Bier und seinem Sohn in der ersten Reihe an der Mauer stehenden cirka 40-Jährigen auf den Plan. Kräftig, Glatze, home of football-Jacke. Er drehte sich um und machte, der Körpersprache zu entnehmen, nicht sehr freundlich klar, was er von dem Gekreische hielt. Die beiden warfen sich dann die 2 Minuten bis zum Elfer Nettigkeiten an den Kopf. Den Sohn des Kahlkopfes schien das nicht weiter zu jucken. Scheint häufiger Gäste anzupöbeln, der Papa. Für die Statistiker: Es gab nur gelb. Den Elfer verwandelte Tyrala ebenso humorlos zum 1-0 für die Gäste. Die mitgereisten Thüringer wurden in der Folge nochmal etwas lauter, als der bislang recht gute Auftritt eh schon war. Machte Laune.

In der Folge ging unser Blick bei jedem Aufreger zu den beiden Streithähnen, wo weiterhin ein regelmäßiger Austausch herrschte. Herrlich! Nach 39 Minuten gelang dem VfB nach einer schönen Kombination der Ausgleich durch, in dem Moment schade dass Andre nicht im Halle-Modus dabei war, Jerome Kiesewetter. Der Erfurter Anhang war nur kurz geschockt und legte dann bis zur Halbzeit wieder los. Und das wurde von Erfolg gekrönt. Sekunden vor der Halbzeit kam Wiegel auf rechts zum flanken, die Flanke wurde jedoch länger und länger und senkte sich hinter dem verdutzten Keeper Uphoff ins lange Eck. Geiles Ding!

Kurz nach dem Pfiff zum Pausentee verließ home of football seinen Platz gen Bierbude, selbstverständlich nicht ohne im Vorbeigehen noch ein Sprüche gen Kreischer und Co zu richten, was diese mit hämischen Handzeichen beantworteten. In Hälfte zwei ging es sowohl auf dem Rasen als auch der Gegengerade hitzig weiter. Es gab nämlich in den ersten 15 Minuten gleich zwei Situationen die für den Erfurter Kreischer klare Elfmeter waren. home of football drehte sich natürlich sofort um und konterte. Das Duell puschte sich soweit hoch, dass Erfurter Zivis von der Tribünenseite dazu kamen und horchten was denn da nun los sei. Kaum waren sie wieder weg, gings weiter. Auf dem Rasen passierte dann nicht mehr so viel, der Gästeblock sang allerdings komplett durch, was die Reise hierher absolut gerechtfertigte. Wir hofften auf eine hitzige Schlussphase die sicherlich auch das Duell auf der Tribüne nochmal anheizen würde, doch...was war das? Der Stuttgarter Kahlkopf stieg die 8 Reihen nach oben...kurzes Gespräch....und... Handschlag!! Plötzlich wurde sogar gelacht. Friedenszenen in Block G! Ja, sogar eine kurze Umarmung gab es! Unglaublich! Vor allem unglaublich schade!! Das hätte doch nun wirklich bis nach Spielende warten können, denn die restlichen Minuten hatten ordentlich Zündstoff zu bieten. Der Schiri blickte bereits das erste Mal auf die Uhr, da kommt es zu einem Gewusel im Erfurter Strafraum, welches der Schiri mit einem Pfiff beendete! Elfmeter! Der Grund war vermutlich für alle, außer dem Unparteiischen völlig unklar! Der Gästeblock kriegte das zunächst gar nicht mit, erst nach gut 5 Sekunden war es plötzlich still! Der Kreischer konnte das nun gar nicht glauben, pöbelte aber nicht so laut wie vorher, er wollte die frisch geschlossene Freundschaft offenbar nicht unnötig belasten. Was passierte auf dem Rasen? Keeper Klewin hält das Ding! Der Gästeblock ging jetzt richtig ab! Weiterhin 2-1 für Erfurt. Kurz danach zeigte der Schiri eine Nachspielzeit von 3 Minuten an, nach einer Minute gab es nochmal Freistoss für den VfB. Diese brachte ein Stuttgarter Stürmer richtung Tor, Keeper Klewin pariert mit einem hervorragenden Reflex erneut zur Seite ab, am Pfosten steht allerdings Grüttner der die Pille mühelos über die Linie bugsiert. Ausgleich. Verrückt. Der Keeper saß am Pfosten wie ein Häufchen Elend, eben noch Held, jetzt der Depp, wobei ihn am Gegentor keine Schuld traf. Erfurt schmiss nochmal alles nach vorne, konnte die dritte Führung des Nachmittags aber nicht mehr erzielen. Dann war Schluss. Wir verliessen das Stadion und erlebten wie die beiden ehemaligen Streithähne bei gemeinsamen Bier das Spiel analysierten. Ja, Fussball verbindet :-)

Wir kamen recht schnell aus Aspach raus, und waren ruck zuck auf der Autobahn. Als wir dann hessischen Radioempfang hatten, mussten wir leider hören, dass die Autobahn bei Göttingen immernoch gesperrt war und auf den Kasseler Bergen mit Schneefall zu rechnen ist. Na spitze! Wir navigierten uns ab Hann. Münden old school mit Atlas und dem Vertrauen auf die Ortkunde des vor uns fahrenden Northeimer Kennzeichens weiträumig um die Unfallstelle herum und erreichten um 21.30 Uhr heimatliche Gefilde.

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