West Ham United - Arsenal London 1:2 (0:2) 28.12.2014 PDF Drucken E-Mail
Berichte - Saison 14/15
Geschrieben von: Sonja D.   

Premier League
Stadion: Boleyn Ground
Zuschauer: 34.977

Samstagmorgen in aller Herrgottsfrüh am Flughafen Langenhagen begann unser kurzer London-Trip. Einfach mal raus, weg vom Alltag, von Braunschweig und Eintracht und mal was anderes sehen. Das war der Plan. Nach einem kleinen Frühstück bei der Burger-Braterei unseres Vertrauens, machten wir uns auf den Weg zur Pass- und Handgepäckkontrolle. Von weitem meinte Micha „Hey, der Typ sieht doch aus wie Kunze. Und der kleine daneben könnte Lieberknecht sein!“ Und er sollte Recht behalten, denn Lieberknecht drehte sich kurz darauf zu uns um. Da auch die beiden ein wenig Urlaub verdient haben, haben wir jedoch davon abgesehen Beweisfotos zu machen und sie Boygroup-like zu stalken.

Wir stellten uns also hinter Ihnen an, ließen die Kontrollen über uns ergehen und warteten darauf den Flieger betreten zu dürfen. Kurze Zeit später kamen wir bei typischem englischem Wetter an. Es war stark bewölkt und immer wieder sollte es regnen. Aber wir trotzen dem Wetter am Anreisetag für für Sightseeing und einen Besuch der Sherlock Holmes-Ausstellung im Museum of London. Abends fielen wir völlig fertig, mit Blasen an den Füßen und todmüde ins Bett.

Der Sonntag begann mit einem ausgiebigen englischen Frühstück vom Hotelbuffet. Anschließend suchten wir eine Drogerie auf, um uns mit Blasenpflastern zu versorgen  und machten uns direkt auf den Weg nach West Ham. Heute war das Wetter eher untypisch für London. Es war nicht eine Wolke am Himmel, die Sonne schien und wir genossen den strahlend blauen Himmel. Schon bei Ankunft an der U-Bahn-Station Upton Park lag Fußball in der Luft. Es war plötzlich laut und von nun an waren die Straßen überfüllt von Menschen mit West Ham-Schals, entweder selber um den Hals oder zum Verkauf in der Hand oder am Stand. Wir schauten uns die Auswahl an, beschlossen aber erst einmal den offiziellen Fanshop aufzusuchen. Dieser war riesig und es gab wirklich alles in den Club-Farben. Micha wollte sich einen Schal als Erinnerung kaufen, dann fiel ihm aber ein, dass die PDC keine Zuschauer mit Fußball-Fan-Utensilien mag und verzichtete daher, um abends keine Probleme zu bekommen. Beim Verlassen des Stadiongeländes wurden wir dann noch als „Scheiß Tourists“ beschimpft. Weiter ging es zum Zugang zu unserem Block. Der ursprüngliche Plan war, vor dem Spiel noch eine Kneipe in Stadionnähe aufzusuchen, aber außer besagten Fanartikel-Ständen und Fressbuden konnten wir auf der Green Street nichts erkennen. So ging es also durch die schmalen Vereinzelungsanlagen, man gut dass wir vorher nicht noch einen Bacon-Burger gefuttert haben hatten, welcher die Bratwurst Englands zu sein schien  Zwinkernd

Im Stadion dann erstmal ein Bier geordert, es gab Carlsberg, leider in Plastikflaschen, aber ohne zugehörigen Deckel damit man sie ja nicht als gefährliche Wurfgeschosse nutzt. Nun ja, andere Länder, andere Sitten. Burger, Hotdogs und Steak Pies konnten wir uns verkneifen, das Frühstück sättigte noch immer.  Dann haben wir uns noch die Wettmöglichkeiten angesehen und plötzlich festgestellt, dass es überhaupt keine Einlasskontrollen im Sinne von Abtasten und Taschen leeren gab. Auch war keinerlei Polizei im Stadion ausfindig zu machen. Kurz noch das Bier weggebracht, Micha fühlte sich fast wie zu Hause aufgrund der dortigen spartanischen Old School-Atmosphäre. Ich war froh, dass die Toiletten bei uns im Gegensatz dazu doch ziemlich in Ordnung sind und weiter ging es in den Block. Dort wurde sofort die Kamera gezückt, die Tribünen sind minimal tiefer gelegen als das Spielfeld, was ziemlich geil aussah.

Boleyn Ground Panorama

Wir suchten unsere Plätze auf. Da es keine zusammenhängenden Plätze in der Preiskategorie mehr gab, hatte ich Platz 7 und 11 bestellt. Ich überlegt mir schon, was ich dem Besitzer der Karte für den Platz 8 erzähle, damit er mich neben Micha sitzen lässt. Das Stadion füllte sich langsam. Zunächst schienen nur Touris anwesend zu sein, die wie wir erst einmal alles fotografisch festhielten. Unsere Plätze befanden sich ganz links im Bobby Moore Stand, Unterrang. So hatten wir gute Aussichten auf das Spielfeld, die Haupttribüne und den Gästeblock, der zwei Drittel des gegenüberliegenden Unterranges einnahm. Plötzlich wurde es auf den Plätzen um uns herum immer voller. Wir sind davon ausgegangen, dass diese Plätze ausschließlich von Touris besetzt werden, aber um uns herum kannten sich alle, begrüßten sich mit Handschlag. Kurz vor Anpfiff kamen dann auch die weiteren Personen in unserer Reihe, sie schauten uns kurz an und positionierten sich einfach neben uns. Als das Spiel losging, machte niemand Anstalten sich hinzusetzen. Also blieben wir ebenfalls stehen, war schon ein geiles Gefühl, nach allem was man über englische Stadien hört. Es kam auch kein Ordner, es wurde akzeptiert. Die Hymne „I’m forever blowing bubbles“ ertönte lautstark aus allen Kehlen, die „Bubbles“ stiegen vor der Haupttribüne auf, das Derby konnte starten.

Vom Spielverlauf her waren einige Parallelen zu Eintrachts Ausflug in das Oberhaus zu erkennen. Die Hammers gingen kampfbereit ins Spiel, welches sich in erster Linie auf der Seite der Gäste abspielte. Bereits in der sechsten Minute fand der Ball den Weg am gegnerischen Keeper vorbei ins Tor, kurzer Jubel, dann wurde das Tor jedoch vom Linienrichter aberkannt. Wie die TV-Bilder später zeigten, hatte der Referee eine Sichtbehinderung durch einen heimischen Spieler gepfiffen. Erste kleine Pöbeleien gingen in Richtung Schiri, jedoch noch sehr verhalten. Er schaffte es dann aber schnell die Missgunst der Heimfans auf sich zu ziehen und die Beleidigungen wurden lauter und kreativer. Auf der Haupttribüne kurzer Tumult, vermutlich hatte sich ein Arsenal-Fan dorthin verirrt, der sofort von den Ordnern abgeführt wurde. West Ham erarbeitete sich weiterhin viele Chancen, konnte jedoch keine weitere davon verwandeln. Arsenal setzte auf Konter. Kurz vor der Halbzeitpause sah Winston Reid keine andere Chance den Gegner zu stoppen als mit einem Foul, welches der Schiri mit Elfmeter bestrafte. Keeper Adrian hatte keine Chance ranzukommen und so gingen die Gäste völlig unverdient mit 1:0 in Führung. Arsenal hatte nun Lust auf mehr und keine drei Minuten später fand der Ball wieder den Weg ins Tor zum 0:2.

Die Halbzeitpause verbrachten wir im Block, für Carlsberg aus Plastikflaschen muss man sich die Zeit nicht mit dem Anstehen an den Versorgungsständen vertreiben. Interessant war zu sehen, das fast die gesamte Haupttribüne nun aufgestanden war, währendes  sich unsere Tribüne komplett auf den Sitzschalen zur Ruhe lies. Zum Wiederanpfiff standen jedoch wieder alle bereit, während die Haupttribüne ihre Plätze eingenommen hatte. Um uns herum wurde es immer mal wieder etwas lauter. Mehr als die Hymne, Beleidigen in Richtung des Unparteiischen uns Schmähgesänge gegen die Gästefans konnte ich jedoch nicht vernehmen. Auch diese waren seit den Toren nur zeitweise mal etwas lauter zu hören, keine Ahnung ob es an der Akustik lag oder sie heute wirklich einen schwachen Auftritt zeigten. „You only sing when you’re winning“ schien hier jedoch sehr treffend zu sein. Es dauert keine 10 Minuten in denen West Ham immer wieder auf das gegnerische Tor drängte, bis der Ball endlich im Netz landete. Das pushte die Heimfans richtig an, und sie versuchten die Mannschaft dabei zu unterstützen, den Platz nicht ohne Punkte zu verlassen. Leider war aber die Chancenverwertung ähnlich miserabel wie wir es aus der letzten Saison kennen, der Schiri war klar auf Seiten von Arsenal und West Ham gelang kein weiterer Treffer. Arsenal versuchte immer wieder zu kontern um die Führung auszubauen, aber auch das gelang nicht. In der Schlussphase kam Torhüter Adrian immer wieder mit nach vorne, was von den Fans positiv bejubelt wurde, aber auch er konnte keinen Treffer erzielen obwohl der Schiri 6 weitere Minuten spielen lies. Er schaffte es jedoch mehr oder minder immer wieder schnell in seinen Kasten zurückzukehren und kein Tor zuzulassen oder bekam Unterstützung der Abwehrspieler. Poldi stand zwar als Auswechselspieler bereit, aber für seinen Einsatz hat es heute wieder nicht gereicht.

Die Jungs und Männer um uns herum zeigten eine ganz besondere Fußball-Leidenschaft, die mich sehr begeistert hat. Jede Ecke wurde frenetisch bejubelt. Der eine hinter uns fasste es im Anschluss ganz gut zusammen, immerhin konnte man hier heute fast mit einer Mannschaft mithalten, die regelmäßig in der Champions League erfolgreich mitspielt.

Gerade auf der Haupttribüne sah man viele Zuschauer, die das Stadion frühzeitig verließen. Wir hatten zwar noch einen anderen Termin blieben aber selbstverständlich bis zum Abpfiff und versuchten dann möglichst schnell das Stadion zu verlassen und zur U-Bahn zu gelangen. Weiter geht’s im folgenden Bericht: William Hill World Darts Championship

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