Gastbericht: Düsseldorfer EG - Kölner Haie 3:2 (1:0, 2:1, 0:1) 10.01.2015 PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Björn (Society Braunschweig)   

Liga: Deutsche Eishockey-Liga (DEL)
Stadion: esprit-Arena
Zuschauer: 51.125

Ich wollte ja eigentlich partout nicht hin. Nach dem Besuch des Wintergames anno 2013 in Nürnberg, der inkludierten miserablen Sichtverhältnisse und des übertriebenen Event-Geraffels waren Giovane und ich uns einig, dass ein weiterer Besuch eines Wintergames nur mit Beteiligung seiner DEG oder meines KEC in Frage käme, wenn nicht überhaupt nur beim Spiel gegeneinander. Wohlwissend dass das eh nicht passieren dürfte. Denn da in Nürnberg mit Thomas Sabo ein zahlungskräftiger Mäzen den Zuschlag erhalten hatte, war uns klar dass bei einer Neuauflage nur Mannheim(SAP), München (RB) Wolfsburg (skoda also VW) oder die Anschutz-Standorte Hamburg und Berlin den Fehdehandschuh in den Ring werfen würden. Thema also durch. Die Monate zogen ins Land und plötzlich wird erklärt, dass es für das Wintergame 2015 nur zwei Bewerber gäbe: Köln und Düsseldorf. Na spitze. Man musste also wieder hin.

Als der KEC seine Bewerbung genauer vorstellte, war meine Motivation aber auch schnell wieder dahin. Um wetterunabhängiger zu sein, wurde das heimische Müngersdorf mal eben gegen die Turnhalle in GE-Buer eingetauscht, Gegner sollte Krefeld sein. Bescheuert. Um Längen euphorischer war da schon Giovane, der zeitgleich aus Düsseldorf die Meldung vernahm, dass die DEG innerhalb der Stadtgrenzen bleiben wollte, um in der Arena am Messegelände, ja genau, den magischen KEC zu empfangen . Ruckzuck bildeten sich im Internet die ersten Kölner Petitionen "Lieber auswärts in Düsseldorf als auf Schalke gegen Krefeld!" Spätestens da war eigentlich klar, wie die Paarung des Wintergames lauten würde.

Da Giovane und ich bekanntlich unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehörten, wurde ein gemeinsamer Besuch allerdings eher stiefmütterlich ins Auge gefasst, kurz darauf kam die Mail meines Freundes Robert aus Frankfurt(mit dem ich vor zwei Jahren die Tradition, im Januar zusammen zu den Haien nach Kölle zu fahren, begründet hatte) ob denn nicht diesmal Düsseldorf das Ziel sein sollte. Lange Rede, kurzer Rock: Karten besorgt, halbes Jahr Vorfreude!

Am Spieltag bestieg ich morgens um 7 Uhr den Zug gen Frankfurt. Richtig gelesen. Die Deutsche Bahn findet es offenbar lustig, den Gesamtreisepreis fast 100€ günstiger zu machen, wenn eine Person von BS nach FFM fährt, den anderen dort einsammelt um dann nach Köln zu fahren, als wenn beide von ihren jeweiligen Wohnorten den direkten Weg einschlagen. Kurioserweise ist man über Frankfurt nur 10 Minuten länger unterwegs als direkt weil von BS nach Köln nur ein IC fährt. Hier noch Nebenaspekt, wird auf der Rückfahrt aber noch interessant. Muss dazu aber sagen, dass wir bei Reisebuchung noch von Übernachtung in Köln ausgegangen sind, aufgrund eines unschlagbaren Schnappers haben wir dann aber doch ein 4-Sternehotel 30 Fussminuten entfernt der esprit-arena gefunden. Da wärs dann anders besser gewesen. Egal.

Zurück zur Zugfahrt. Auf dem Vierer neben mir hatte sich eine Truppe Birkenstock-tragender Junglehrer platziert, die auch gleich ein umfangreiches Frühstücksbuffet auspackten, mit allem was der Gemüsegarten so hergab. Dabei echauffierten sie sich darüber, dass die Schulcafeteria neuerdings kaum noch frequentiert wird obwohl man sich doch so dafür stark gemacht hat, dass nur noch gesundes und fleischloses Essen auf der Speisekarte steht. Ich war noch nüchtern und wollte meine Meinung nicht in die Waagschale werfen, war aber fest gewillt, spätestens in Fulda in die Diskussion einzusteigen. Ich ging also ins Bordbistro und holte mir meinen ersten Halben. Da die Gelehrten so in ihren Gesprächen vertieft waren, war das nicht weiter erwähnenswert. Als ich um kurz nach halb 8 mit dem zweiten Hobel kam, stand der Truppe der Ekel quasi ins Gesicht geschrieben. Traumhaft. Was hätte ich doch für ein Gruppenfoto getan :-)

Kurz darauf sind sie dann leider ausgestiegen. Schade. Wäre grade lustig geworden.

In Frankfurt traf ich dann Robert, von da aus ging es weiter gen Rheinland.

In Düsseldorf Klamotten weggebracht und erst per pedes, dann wetterbedingt per Bahn zum Messegelände.

Wir hatten Plätze im Oberrang rechts vom Gästeblock und was zu allererst auffiel waren die um Längen besseren Sichtverhältnisse als vor zwei Jahren in Nürnberg. Die Ränge in Düsseldorf sind viel steiler und die fehlende Laufbahn tat ihr Übriges.

Mit Stimmung war noch nicht allzuviel, Mando Diao war noch auf der Bühne.

Erster Wermutstropfen allerdings schonmal: Das Dach war zu, was allerdings nicht wirklich überraschte. Über 10 Grad draussen, und der teilweise ordentliche Regen hätte die Gesundheit der Spieler doch über Maßen gefährdet. Und man wollte für 39,-- ja schon ein ordentliches Spiel sehen.

Danach ging dann langsam los. Zunächst wurde verkündet, dass der Europarekord gebrochen wurde, 1125 Zuschauer mehr als bei der Erstauflage des Wintergames.

Zu den Klängen von AC/DC betraten dann die Protagonisten das Eis. Als Intro glänzten die Düsseldorfer mit gelb-rot-gelben Papptafeln und dem DEG-Schriftzug, im Gästeblock ebenfalls Papptafeln (natürlich rot, weiß und schwarz),Luftschlangen und zwei fetten Bannern mit der Aufschrift "Kölner Eishockey Club "die Haie" von 1972" . Beides absolut gelungen!

Zu Beginn des Spiels fand das zu erwartende Abtasten statt, wo normalerweise, speziell im Derby, gerne mal ein Zeichen gesetzt und der Gegenspieler im Infight eingeschüchtert wird, wollte sich hier heute keiner mit einer unnötigen Aktion früh um ein Karrierehighlight bringen. Nach 5 Minuten kam immer mehr Dampf in Partie, 10 Minuten später hatten sich die Haie ein leichtes Übergewicht erarbeitet, konnten dieses aber nicht in bare Münze umwandeln. Ganz im Gegenteil, nach der bis dahin klarsten Chance des Spiels durch Jones, konterten die Gastgeber in Überzahl geschickt und kamen durch Turnbull kurz vor der Sirene zur bis dahin etwas schmeichelhaften Führung.

Auch zu Beginn des zweiten Abschnitts waren die Haie das aktivere Team, bereits nach 3 Minuten konnten sie zwei Möglichkeiten durch Falk und Iggulden für sich verbuchen. Doch wieder hatte die DEG die Nase vorn, in Minute 24 nutze Sparre einen Abstauber zur 2-0 Führung. Die Haie jetzt von der Rolle, 3 Minuten später spielt KEC-Goalie Aus den Birken die Scheibe an der Bande entlang Mondt vor die Füße, der sich in aller Ruhe überlegen kann, was er mit dieser macht, sie Sparre vor die Füße spielt, der keine Mühen hat zum 3-0 zu vollenden. Na toll.

Die cirka 10000 Haie-Fans gaben nicht auf, peitschten ihre Jungs unermüdlich nach vorne und entschieden grad auch in dieser Phase das Tribünen-Duell für sich. Und sie wurden belohnt, kurz vor Ende des Mitteldrittels erzielte Gogulla mit einem satten Schlagschuss den Anschlußtreffer.

Das konnte jetzt doch nochmal ein spannendes Ding werden. Und siehe da: In Minute 43 war es erneut Gogulla, der sein Team auf ein Tor ranbrachte. Nun wurde es so hitzig wie man es sich für ein Derby wünscht. Die Haie drängten auf den Ausgleich, scheiterten aber immer wieder am überragenden Düsseldorfer Keeper Beskorowany. Die DEG beschränkte sich auch nur noch aufs Verteidigen und brachten das Ergebnis über die Zeit. Schade.

Nach dem abschließenden Feuerwerk verliessen wir die Arena und fuhren zunächst in die Pizzeria von Roberts Trauzeugen, anschließend ließen wir den Abend in der Altstadt ausklingen. Denke ich zumindest mal. Die auf den am Folgetag in meinem Portmonnaie gefundenen Bons und Quittungen angegebenen Straßen befinden sich laut google maps zwischen Heinrich-Heine-Allee und Rheinufer...

Nach dem Auschecken am nächsten Morgen stand der nächste Programmpunkt an. Keine 800m von unserem Hotel entfernt sollte um 10.30 Uhr das Deutsche-Nachwuchs-Liga-Spiel zwischen den Zweitvertretungen der Düsseldorfer EG und den, richtig, Kölner Haien stattfinden. Der Schauplatz konnte besser nicht sein. Das legendäre Eisstadion an der Brehmstraße, wo die DEG ab 1935 bis zum Umzug in den ISS-Dome 2006 ihre Heimspiele austrug. Beim Betreten der Anlage hatte ich schon ein ganz komisches Gefühl, stand der Ordner nämlich nicht vor dem Eisstadion sondern vor dem Eingang der Trainingshalle direkt daneben. Auf die Frage, wo es denn Eintrittskarten gäbe, deutete er auch in jene Trainingshalle, dort wurde die Befürchtung dann Gewissheit. Spiel fand dort statt. Unglaublich. Auf der Homepage steht deutlich, dass die DNL-Mannschaft im großen Stadion spielt. Nun kann ja gerne mal eine kurzfristige Änderung zu Tage treten, die Aussage der Kassiererin, dass sonntags immer in der Trainingshalle und nur samstags im Stadion gespielt wird bewies die freche Falschmeldung im www. Ich war restlos bedient, in der Trainingshalle drängten sich 10 Mann in drei Reihen an die schmale Stelle von der man aufs Eis gucken konnte, 20 Meter Luftlinie hinter uns drehten z.T. fünfjährige Kiddies Pirouetten auf einer der, wenn nicht sogar der legendärsten Eisfläche Europas und die Tribünen waren komplett verwaist. Was soll sowas?? Die Dame hinter der Kasse schaute dann stark verwundert als ich ihr "Macht 3 Euro" mit einem "Nee, komm, lass ma, das ist doch nicht wahr, könnt ihr knicken, wir sind wech!" beantwortete. Ich erklärte ihr dann noch, dass ich das Stadion sehen will. "Ja könnt ihr doch, ist doch offen!" kam zurück, was mir nicht mehr als ein Kopfschütteln abringte. Dennoch kurz Fotos gemacht, 15 Minuten später fuhr die S-Bahn, weitere 30 Mins danach saßen wir im Gaffel am Kölner Dom wo wir uns 3 Stunden lang nonstop Kölsch in die Rüstung schwakten.

Um 14.57 Uhr war das diesmal zu kurz geratene Abenteuer Kölle dann leider beendet.

Jetzt wurde es spannend. Aufgrund der interessanten Sparpreis-Politik der Deutschen Bahn wurde die Rückfahrt nicht direkt nach Frankfurt sondern mit einem Umstieg in Mainz gebucht.

Der IC kam aber offenbar nicht so wirklich in die Gänge und als 2 Minuten vor Abfahrt unseres Anschlusszuges gen Mainhatten immernoch kein Bremsvorgang eingeleitet wurde, schwante mir zum zweiten Mal an diesem schönen Januar-Tag Böses. Die Durchsage brachte dann ihr Übriges. "Wir erreichen Mainz mit 7 Minuten Verspätung, die Anschlüsse werden leider nicht mehr erreicht." Großes Tennis. Ich war aber dennoch relativ entspannt, ist ja die Verbindung MZ-FFM nicht so räudig wie zB BS-WOB....und siehe da, zehn Minuten nach unserer Ankunft sollte wieder ein Zug nach Frankfurt fahren. Da ich aber aus Erfahrungen weiß, dass Schaffner mitunter etwas gereizt reagieren wenn man nicht den auf der Buchung angegebenen Zug nutzt, wollte ich mir im ServiceCenter eine schriftliche Bestätigung holen, mit der wir den nächsten Zug nehmen könnten. Und, spitze, einer der sage und schreibe 2 geöffneten Schalter war tatsächlich frei. Ich ging hin und schilderte mein Anliegen. Der guten Frau Balzer vom ServiceCenter interessierte mein Problem aber wie die Friedensfahrt, ich möchte doch bitte eine Nummer ziehen und werde dann aufgerufen. Ich drehte mich um und sah im Wartebereich cirka 20 gestrandete Gestalten sitzen. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass das bei 2 Schaltern nicht mehr mit dem Zug und damit auch nicht mit meinem ICE in Frankfurt nach BS hinhauen würde. Mich interessierte Frau Balzers Nummerntheorie also genauso wenig und bestand auf einen Stempel samt Unterschrift. "Hömma, der Stempel ist doch drauf bis eine von den Flachzangen da hinten die aufgerufene Nummer mit der Zahlenfolge auf ihrem Zettel verglichen hat!" In der Folge schaukelte sich die Situation dann "etwas" hoch. Sie beachtete mich dann irgendwann nicht mehr und rief in den Raum "Wer hat die Nummer 125?" was mich dazu bewegte ihr den Kugelschreiber vom Tisch zu nehmen und auf die Rückseite meines Tickets die 125 draufzukritzeln. Ob die vorrübergehende Okkupierung ihres Schreibutensils oder der mit der erhobenen "125" gerufene Satz "Hier! Ich! Ich habe die 125, du...(den Rest des Satzes denken wir uns)" ausschlaggebend für sie war, die Bahnhofspolizei zu rufen wurde nicht mehr geklärt. Ich entschied, dass die verbleibenden 3 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges nicht ausreichen würden um das jetzt mit der uniformierten Abteilung zu klären, verliess das Center mit einem freundlichen, weil wieder gesiezten, aber nicht jugendfreien Gruß und erteilte mir die Erlaubnis für die Zugnutzung einfach selber. Letztendlich alles unnötig, es war kein Schaffner an Bord und wir erreichten zwar verspätet aber dennoch rechtzeitig den Frankfurter Hauptbahnhof.

Nach der Verabschiedung von Robert nahm ich meinen ICE und erreichte nach einer unspektulären Fahrt um 21.30 Uhr BS.

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